Am Mittwoch wird im Wiener Gemeinderat der Kretidtrahmen für die Wien Energie beschlossen.
Am Mittwoch werden im Wiener Gemeinderat jene Tranchen an die Wien Energie abgesegnet, die die Stadt gewährt hat, sowie der Vertrag über das Darlehen des Bundes. Nötig waren die großen Finanzspritzen an den städtischen Energieversorger, um diesem die weitere Teilnahme an den Energiebörsen zu ermöglichen. Für Kritik sorgt weiterhin, dass Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) seine Notkompetenz dazu in Anspruch genommen hat.
Kreditrahmen für Wien Energie wird im Gemeinderat beschlossen
Abgestimmt wird morgen zunächst über die Kredite in der Gesamthöhe von 1,4 Mrd. Euro, die der Stadtchef dem Konzern zur Besicherung seiner Geschäfte gewährt hat. Die erste Tranche war bereits im Juli von ihm freigegeben worden. Die Notkompetenz steht prinzipiell jedem österreichischen Bürgermeister zu. In Wien wurden zuletzt auch Corona-Maßnahmen oder Hilfe für Vertriebene aus der Ukraine auf diesem Weg fixiert.
Gemeinderat: Wiener Kredite und Darhlehen des Bundes in Debatte
Neben den Wiener
Krediten steht auch das Darlehen des Bundes über 2 Mrd. Euro auf der
Tagesordnung. Konkret handelte es sich dabei um den zwischen Stadt und Wien
Energie geschlossenen Vertrag zu den Bundesmitteln. Die Vereinbarung
mit dem Bund selbst - also konkret mit der Österreichischen
Bundesfinanzierungsagentur (OeBFA) - ist hingegen formal Sache des
Landes und nicht der Gemeinde.
Finanzstadtrat wird über die Maßnahmen gegen Energiekrise reden
Angekündigt ist für morgen auch
eine Mitteilung des zuständigen Stadtrats Peter Hanke (SPÖ). Er wird
über die aktuellen "energiewirtschaftlichen Herausforderungen" sowie
über "notwendige Maßnahmen im Zusammenhang mit der europaweiten
Energiekrise" sprechen, wie es in der Ankündigung heißt.
Kontroversen über Notverfügung von Ludwig zum Thema Wien Energie
Kontroversen
gibt es noch immer über die Notverfügungen des Stadtchefs. Die ÖVP
möchte darum in der Fragestunde von Ludwig wissen, warum bei der ersten
Inanspruchnahme im Juli nicht der Stadtsenat entschieden hat. Dies wäre
die "rechtskonforme Vorgangsweise" gewesen, wie es in der Anfrage heißt.
Kritik vom türkisen Klubchef Markus Wölbitsch an Ludwig
Der
türkise Klubchef Markus Wölbitsch untermauerte am Dienstag diese
Ansicht auch mit einer Expertise des Verwaltungsrecht-Spezialisten
Bernhard Müller. Dass Ludwig nicht unverzüglich die zuständigen Gremien
informiert hat, widerspricht demnach der Stadtverfassung. Tatsächlich
wurde der Stadtsenat erst am 13. September damit befasst. Laut Müller
darf Ludwig zudem nur entscheiden, wenn die Dringlichkeit sehr hoch ist.
Seiner
Ansicht nach hätte aber auch der Stadtsenat rasch via Umlaufbeschluss
entscheiden können. Lediglich wenn es um wenige Stunden gegangen wäre,
wäre die Dringlichkeit tatsächlich gegeben gewesen, befand der Jurist im
Gespräch mit Journalisten. Die ÖVP bezweifelt jedoch, dass es sich um
einen derart eklatanten Notfall gehandelt hat. Verwiesen wird dabei etwa
auf Aussagen von Stadtwerke-Verantwortlichen, wonach die Finanzmittel
nicht sofort benötigt wurden.
Causa Wien Energie wird in aktueller Stunde diskutiert
Auch in der Aktuellen Stunde wird zur Causa diskutiert. Dafür haben sich die Grünen entschieden, die morgen das Thema vorgeben.
Kritik an Notkompetenz-Aktion von Bürgermeister Michael Ludwig
Das
Ergebnis der morgigen Abstimmung hat formal keine Auswirkung auf die
Notkompetenz-Entscheidungen. Selbst wenn der Koalitionspartner der SPÖ,
die NEOS, die entsprechenden Punkte ablehnen würde, würden die
Entscheidungen weiter gelten. Allerdings ist davon ohnehin nicht
auszugehen. Lediglich die Oppositionsparteien haben bereits ihre
Ablehnung der Wien-Kredite
angekündigt. Der auf den Bundesmitteln fußende Vertrag findet hingegen
auch bei der ÖVP und den Grünen Zustimmung. Diesen werden nur die
Freiheitlichen ablehnen.
Wiener FPÖ wollte in Sondersitzung über Wien Energie diskutieren
Die FPÖ wollte übrigens auch im Rahmen einer Sondersitzung am Freitag über die Wiener
Energie diskutieren. Zu diesem Zweck sollte der Titel der bereits seit
längerem anberaumten Sitzung zum Thema Spitäler erweitert werden. Dies
wurde jedoch nicht genehmigt, genauso wenig wie zwei offenbar geplante
Anfragen im Plenum.
SPÖ: Privatrechtlich tätige Wien Energie dürfe nicht Thema einer Anfrage sein
Gemeinderatsvorsitzender Thomas Reindl (SPÖ) betonte, dass die ausgegliederte, privatrechtlich tätige Wien
Energie nicht Thema einer Anfrage sein dürfe. Die FPÖ reagierte erbost.
Klubchef Maximilian Krauss ortete ein "diktatorisches Vorgehen" der
SPÖ. In der betreffenden Sondersitzung darf nun jedenfalls nur über die
Gemeindespitäler debattiert werden.