Das Wiener Galerienfestival "cureted by" Blickt im Lichte der russischen Invasion in der Ukraine in seiner vierzehnten Ausgabe gen Osten.
"Kelet" - Osten auf ungarisch - machte der belgische Impulsgeber Dieter Roelstraete zum Motto des am Freitag startenden , an dem sich internationale Kuratorinnen und Kuratoren orientieren sollten. Sie wurden von 24 Galerien eingeladen, um Ausstellungen für sie zu gestalten und den Horizont der Wiener Galerieszene zu weiten.
Wiener Galerienfestival "curated by" mit Blick nach Osten
Es stelle sich nun die Aufgabe, der Versuchung zu widerstehen, sich an den Krieg in der Ukraine zu gewöhnen, sagte Roelstraete in einem bei einer Pressekonferenz gezeigten Video. Nicht nur des Krieges wegen, sondern auch aufgrund der Nähe Wiens zu Osteuropa sei das Thema gewählt worden. Statt faul den Osten zu dämonisieren und den Westen zu idealisieren, solle man im Osten auch nach Hoffnung suchen, schrieb der Impulsgeber in einem Essay zum Festival. Das Thema "Kelet" stehe im Gegensatz zu "Nyugat" (Westen) - so hieß eine einflussreiche Avantgarde-Zeitschrift im Budapest des frühen 20. Jahrhunderts.
Stadt Wien unterstützt Wiener Galerienfestival "curated by"
Das Festival wird unter anderem von der Stadt Wien
unterstützt. Die behandelten Themen hätten viel mit unserem Selbstbild
und Dasein als Europäer zu tun, sagte Kulturstadträtin Veronica
Kaup-Hasler (SPÖ), die den künstlerischen Blick nach Osten befürwortet.
Jeder Kurator erhält 3.000 Euro, um sich mit "Kelet"
auseinanderzusetzen, erklärte Cornelis van Almsick vom
Organisationskomitee. Dazu würden die Galerien 6.000 Euro "für die Show"
erhalten, teilweise aber auch weit mehr ausgeben. Russische Kuratoren
gebe es keine, sagte Natascha Burger - ebenfalls vom
Organisationskomitee - und betonte, dass es keine Verbote gegeben habe.
Burger: "Wien wächst weiter als Galeriestadt"
"Wien
wächst weiter als Galeriestadt", warf Burger ein. Neu zu den
curated-by-Teilnehmern gestoßen sind heuer die Galerien Elisabeth &
Klaus Thoman und Wonnerth Dejaco. Neben den Ausstellungen stehen bei
curated by auch zahlreiche Veranstaltungen auf dem Programm, viele von
ihnen bereits am Eröffnungswochenende. In der Gabriele Senn Galerie legt
etwa die Ukrainerin Natalia Martynenko heute ab 16 Uhr auf. Wenn hier
nicht gerade ein DJ-Set stattfindet, konzentriert sich die Ausstellung
des Wieners
Maximilian Geymüller auf Grenzen - etwa die zwischen Ost und West - und
ihre Auflösung. Der oft mit Symbolik beladene Sonnenaufgang wiederholt
sich hier in Jean-Frédéric Schnyders Serie von Ansichten des Zugersees
immer wieder. Anastasia Sosunovas Video "Demikhov-Dog" ist nach dem
sowjetischen Wissenschafter Wladimir Demichow benannt, der zweiköpfige
Hunde schuf. Das Filmmaterial wurde in der baltischen Region gesammelt
und ist Ausdruck eines hybriden kulturellen Selbstverständnisses, wie es
die Galerie beschreibt.
Kandlhofer ab Samstag mit "Artist Talk" beim Wiener Galerienfestival
Am Samstag wartet die Galerie Kandlhofer
ab 14.30 Uhr mit einem "Artist Talk" mit Catalina Ouyang und Nathaniel
Oliver auf. Der US-amerikanische Kurator KJ Freeman beschäftigte sich in
der dort stattfindenden Ausstellung mit der Ost-West-Dichotomie als
einem Paradigma, das Imperialismus und Nationalismus begünstigt.
Elemente von Sadomasochismus, die diese Systeme stützen würden, finden
sich etwa in den Skulpturen von Ouyang und Calli Roche, die mit Leder,
Stoff und Wachs arbeiten. Neben einer Ausstellung der slowenischen
Kuratorin Hana Ostan Ožbolt, die vom Leben des tschechischen Künstlers
Josef Čapek inspiriert ist, spricht man bei Georg Kargl Fine Arts am
Samstag um 18 Uhr bei einem "Round table" darüber, wie man abseits von
Polemik und Klischees über das Thema "Kelet: Der Osten, der Westen und
alles dazwischen" ("The East, the West and All That In-between")
nachdenken kann.
Galerienfestival curated by, geöffnet am Freitag, 9. September, und Samstag, 10. September, von 12 bis 18 Uhr, und von Dienstag, 13. September, bis 8. Oktober von Dienstag bis Freitag von 12 bis 18 Uhr und am Samstag von 12 bis 16 Uhr.