Die World Press Photos 2022 zeigen Krisen, Kriege und Katastrophen, aber auch scheinbar heitere Momente des Lebens. Das Wiener WestLicht zeigt die Fotos vom 9. September bis 23. Oktober in einer Ausstellung.
Die weltbesten Pressefotos bringen die Krisen und schönen Momente unseres Lebens in gewohnter Qualität auf den Punkt, respektive in den richtigen Bildausschnitt. Auch heuer ist die Wanderausstellung "World Press Photo" ein Fixpunkt für das Wiener WestLicht, wo am Abend die Eröffnung stattfinden wird. Und in bewährter Manier lässt sich sagen: Ein Besuch ist lohnenswert.
World Press Photos 2022 im Wiener WestLicht ab 9. September
Die vielen bekannten, aber auch eher unbekannten Geschehnisse des vergangenen Jahres in derart komprimierter Form vorgesetzt zu bekommen, ist wie stets eine fordernde Angelegenheit. Da sind etwa seit Jahrzehnten schwelende Konflikte wie jener im Gazastreifen, der 2021 wieder enorm hochgekocht ist. Fatima Shbair hat dort eine nächtliche Szene eingefangen von einer Gruppe Kinder, die nach Protesten gegen die kriegerischen Auseinandersetzungen friedlich bei Kerzenschein beieinander sitzen - die Spannung dabei stets spürbar.
Krisen und Kriege als Motive für World Press Photos 2022
Oder man
begegnet der Bevölkerung in Afghanistan, wo mittlerweile die Taliban
wieder an der Macht sind. Was das beispielsweise für die Kultursparte
Kino bedeutet, hat sich Bram Janssen für eine Fotoserie näher angesehen
und dabei sehr intime Aufnahmen geschaffen, die von Stillstand,
Verzweiflung und Leere erzählen. Wenige Schritte weiter wird es aber
schon amüsanter, wenngleich nur optisch: Das argentinische Mädchen
Antonella hat gegen coronabedingte Schulschließungen protestiert, indem
sie sich für deren Dauer die Haare nicht mehr schneiden ließ. Welche
Auswüchse das angenommen hat, fing Irina Wening in farbenprächtigen,
durchaus ironischen Bildern ein.
Gewinner World Press Photo: Holkreuez mit roten Kleidern
Das diesjährige Gewinnerfoto
stellt wiederum eine Novität im seit 1955 ausgerichteten Wettbewerb dar,
ist darauf doch erstmals kein einziger Mensch zu sehen. Die emotionale
Wucht leidet deshalb aber nicht: Die kanadische Fotografin Amber Bracken
hat eine Reihe einfacher Holzkreuze, die mit roten Kleidern behängt
sind, fotografiert. Dahinter zeichnet sich vor einem Gewitterhimmel ein
Regenbogen ab. Hintergrund des Bildes "Kamloops Residential School" war
die Entdeckung eines Massengrabs auf einem Schulgelände in Kanada, die
2021 für weltweite Empörung gesorgt hat. Die Schule war Teil des
kanadischen Schulsystems, das auf die Zwangsassimilierung der indigenen
Bevölkerung ausgerichtet war. "Ein Foto, das sich in das Gedächtnis
einbrennt", wie die diesjährige Juryvorsitzende Rena Effendi zitiert
wird.
Schattenseiten des Ukraine-Krieges bei Fotos im Wiener WestLicht
Und ja, auch der Ukrainekrieg hat bei diesen ausgezeichneten
Pressefotos seinen Schatten bereits vorausgeworfen: Von 2013 bis 2021
hat der Franzose Guillaume Herbaut die Situation im Land und die
Anspannung im Hinblick auf Russland begleitet, was in der retrospektiven
Betrachtung wie ein schmerzlicher Blick in die Gegenwart wirkt. Die
Klimakrise zeigt sich hingegen allen voran von ihrer feurigsten Seite,
sind es doch vorwiegend Waldbrände, die beispielsweise von Abriansyah
Liberto in Indonesien respektive Konstantinos Tsakalidis in Griechenland
eingefangen wurden.
World Press Photo-Ausstellung zum 21. Mal im Wiener WestLicht
So begibt man sich auf eine Rundreise um den
Erdball, springt von Land zu Land und Kontinent zu Kontinent -
wahrscheinlich sogar noch stärker als bei früheren Ausgaben der
Ausstellung, die zum 21. Mal im WestLicht Station macht. Immerhin wurde
von der World Press Photo Foundation das Auswahlprozedere verändert, um
dem starken Übergewicht an Gewinnerbildern aus Europa und Nordamerika
entgegen zu wirken. Die eingereichten Bilder wurden zunächst in sechs
Weltregionen eingeteilt, erst im zweiten Schritt wurden dann die vier
besten Beiträge in den Kategorien Einzelbilder, Serien, Langzeitprojekte
und offene Formate bestimmt. Insgesamt lagen den verschiedenen Jurys
fast 65.000 Aufnahmen von mehr als 4.000 Fotografinnen und Fotografen
aus 130 Ländern vor. Sämtliche Gewinnerbilder sind nun bis 23. Oktober
im WestLicht zu bewundern.
Ausstellung "World Press Photo 22" von 9. September bis 23. Oktober im WestLicht, Westbahnstraße 40, 1070 Wien; täglich 11-19 Uhr, donnerstags bis 21 Uhr; Katalog zur Ausstellung erhältlich um 29 Euro.