Mit den Artenschutztagen von 2. bis 4. September 2022 will der Tiergarten Schönbrunn in Wien zum 16. Mal mehr Bewusstsein für gefährdete Arten - viele davon finden sich auch im Zoo selbst - schaffen.
Zum 16. Mal veranstaltet der Wiener Tiergarten Schönbrunn die Artenschutztage. Dabei stellen 22 österreichische Natur- und Artenschutz-Organisationen, darunter das Jane Goodall Institute, die Nationalparks Donau-Auen und Hohe Tauern oder auch die Zoll-Spürhunde ihre Arbeit vor.
Wiener Tiergarten will Bewusstsein für gefährdete Arten schaffen
"Der Schutz bedrohter Arten ist eine der Kernaufgaben moderner Tiergärten", sagte Tiergartendirektor Stephan Hering-Hagenbeck bei einem Pressegespräch am Donnerstag. Acht bis zehn Millionen Tiere- und Pflanzenarten gebe es auf dem Planeten, "mindestens zehn Prozent sind von der Ausrottung bedroht", erläuterte der Direktor. "Unsere tierischen Zoobewohner sind Botschafter für ihre gefährdeten Artgenossen in der Wildbahn", meinte Hering-Hagenbeck.
Diensthundestaffel des Zolls 2022 bei Artenschutztagen vertreten
Auch das UNODC (United Nations
Office on Drugs and Crime) mit Fokus auf Umweltkriminalität und die
Diensthundestaffel des Zolls sind heuer bei den Artenschutztagen
vertreten. "Wildlife-Crime betrifft die ganze Welt, jedes Land, entweder
als Herkunfts-, Transit- oder Destinationsland, erläuterte Elisabeth
Seidl vom UNODC. Der Schmuggel gefährdeter Arten "ist nach wie vor
extrem lukrativ", sagte die Expertin. Als Beispiel führte sie an, dass
ein Kilogramm Nashorn auf dem Schwarzmarkt 15.000 bis 20.000 Euro
kostet, die Strafe für die illegale Einfuhr eines gesamten Nashorns
würde jedoch in Relation geringe 3.000 Euro betragen. "Wir versuchen,
organisierte Umweltkriminalität zu verhindern, schaffen Bewusstsein,
setzten auf Prävention", erläuterte Seidl.
Zwei Diensthunde des Zolls als Artenschutzhunde ausgebildet
UNODC arbeitet in
Österreich eng mit dem Zollamt zusammen. Zwei Diensthunde sind als
Artenschutzhunde ausgebildet und am Flughafen Schwechat stationiert,
erläuterte Stefan Konrad vom Zollamt. Trainiert werden sie gemeinsam mit
dem Tiergarten Schönbrunn, sowohl mit Geruchsträgern, also etwa
Schlangenhaut oder Federn, aber auch mit lebenden Tieren. Dass sie ihren
"Job" beherrschen, zeigten die beiden hoch spezialisierten
Deutsch-Kurzhaar-Hunde Tobi und Falco bei einer Vorführung, die auch am
Freitag zweimal im Tiergarten zu sehen ist. Trainiert werden die Tiere
mit positiven Anreizen wie Spielzeug oder Futter. Tobi "erspürte" bei
der Vorführung Federn geschützter Vögel, Falco in einem Koffer gar eine
lebende Pythonschlange.
Hunde regelmäßig im Tiergarten Schönbrunn in Wien trainiert
Die Hunde werden regelmäßig im Tiergarten Schönbrunn trainiert, um im Ernstfall geschmuggelte Tiere am Flughafen aufzuspüren, sagte Konrad. Ungefähr einmal im Monat verlegen Tobi, Falco und ihre Diensthundeführer Trixi und Stefan ihren Arbeitsplatz in den Zoo. In der Vergangenheit wurden bereits zahlreiche exotische Tiere vom Zoll beschlagnahmt, die im Tiergarten Schönbrunn notversorgt wurden und teilweise ihr neues Zuhause gefunden haben - beispielsweise verschiedene bedrohte Chamäleon-, Papageien- und Schildkrötenarten. Rund 120 Tierarten im Tiergarten Schönbrunn sind von Ausrottung bedroht. Bei etwa der Hälfte gibt es international koordinierte Erhaltungszuchtprogramme, an denen sich der Tiergarten beteiligt - darunter beispielsweise Borneo Orang-Utans, Mhorrgazellen oder Schwalbensittiche. Der Tiergarten selbst leitet die Zuchtprogramme der Hundsfische, Fidschi-Leguane und der Nördlichen und Südlichen Felsenpinguine.
Tiergarten Schönbrunn setzt sich für bedrohte Tierarten ein
Wissenschaftlich
geführte Zoos wie der Tiergarten Schönbrunn gehören zu den wenigen
Institutionen, die in der Lage sind, so viele verschiedene bedrohte
Tierarten zu erhalten. "Zoos sind letzte Zufluchtsorte für Tierarten,
die es nicht mehr gibt auf dem Planeten", sagte Hering-Hagenbeck. In
Schönbrunn leben so beispielsweise einige Fischarten, die es nur noch im
Tiergarten in Wien gibt.
Wiener Zoos beteiligt sich an zahlreichen Artenschutzprojekten
Außerdem
beteiligt sich der Tiergarten Schönbrunn an zahlreichen Artenschutz-
und Auswilderungsprojekten im In- und Ausland, die nach strengen
Richtlinien der Weltnaturschutzorganisation (IUCN) ablaufen. Eisbären
sind beispielsweise zum traurigen Symbol des Klimawandels geworden. Der
Tiergarten Schönbrunn unterstützt die Organisation Polar Bears
International (PBI), eine der größten Initiativen zur Rettung der
Eisbären. Eine wichtige Maßnahme ist die Forschung, um aus den
gesammelten Daten Rückschlüsse auf die Lebensweise der Eisbären ziehen
und geeignete Schutzmaßnahmen treffen zu können. Dafür werden Eisbären
mit Halsbandsendern ausgestattet, die laufend die GPS-Positionen der
Tiere übermitteln.