Nachdem Wiener Kliniken mehrere "Gefährdungsanzeigen" getätigt hatten, hat der Wiener Gesundheitsverbund am Montag zu einem Hintergrundgespräch geladen.
Nicht zuletzt auch, um festzustellen, dass die "Gesundheitsversorgung nicht leidet", wie dessen Generaldirektorin Evelyn Kölldorfer-Leitgeb unterstrich. Rund 50-mal jährlich gibt es solche "Anzeigen". "Es geht hier um die rechtliche Absicherung des Personals", ergänzte younion-Gewerkschafter Edgar Martin.
Gesundheitsverbund übt nach "Gefährdungsanzeige" Aufklärung
Oft - und so auch in Favoriten und zuletzt in Ottakring - ist es der Personalmangel, der hinter einer solchen Anzeige steht. "Dieses Instrument wurde im Jahr 2000 eingeführt, seither kam es immer wieder zu derartigen Meldung", sagte der stellvertretende Vorsitzende der Hauptgruppe II, die rund 30.000 Mitglieder im Wiener Gesundheitsverbund vertritt. Eine Gefährdungsanzeige soll keine Sammlung bereits eingetretener Schäden sein, so Martin, denn "was wir nicht wollen ist, das Patienten zu Schaden kommen" - es handle sich hier um eine präventive Maßnahme.
Gefährdungsanzeige durch die Klinik Ottakring in Wien
Was den aktuellen Fall in Ottakring
betrifft, der am vergangenen Freitag durch die "Kronen Zeitung" publik
gemacht wurde - Mitarbeiter der Urologie hatten die Gefährdungsanzeige
verfasst - so sagte Kölldorfer-Leitgeb dazu, es sei richtig, dass "wir
in der Klinik Ottakring eine Station, jedoch nicht eine Abteilung,
gesperrt haben". Dies sei geschehen, "um die Pflege auf andere Bereiche
zu konzentrieren". Und nicht zuletzt bedeute eine Anzahl an gesperrten
Betten in einer Klinik nicht, dass insgesamt keine Betten mehr zu
belegen sind, erklärte die Generaldirektorin. "Es gibt Momente, bei
denen es aufgrund sinkender Personalressourcen sofortige Maßnahmen
braucht", ergänzte Gewerkschafter Martin - es mache keinen Sinn bei
fehlendem Personal die Bettenzahl aufrecht zu erhalten.
Aufklärungsbedarf aufgrund der Berichterstattung vergangener Tage
Ursächlich
habe man sich an die Presse gewandt, da aus Sicht des
Gesundheitsverbands aufgrund der Berichterstattung der vergangnen Tage
Aufklärungsbedarf gebe. Kölldorfer-Leitgeb unterstrich hier, dass
Gefährdungsanzeigen deswegen geschrieben würden, um Gefährdungen
vorzubeugen: "Es gibt einen klaren Prozess", dieser sei klar definiert
und funktioniere auch. "Und wenn ein Haus sagt, es kommt nicht alleine
zu recht, dann greift der Gesundheitsverbund als übergeordnete Stelle
ein".
Ausläser hinter allem ist der Fachkräftemangel in Spitälern
Übergeordneter Auslöser hinter allem ist der Fachkräftemangel, diesen gebe es nicht nur in Wien, sondern in ganz Österreich, in ganz Europa. Beim Wiener
Gesundheitsverbund äußert sich dieser folgendermaßen: Von 28.150
Stellen sind aktuell 1.830 derzeit nicht besetzt. Das sind rund sieben
Prozent, was nicht wirklich schlecht sei, sagte die Generaldirektorin.
"In der Praxis ist es so, dass sich das Fehlen auf einzelne Abteilungen
und Stationen konzentriert. Also checken wir, wo Fluktuation vorkommt
und warum", sagte Kölldorfer-Leitgeb, dies geschehe etwa im Bereich der
Unfallchirurgie, wo man versucht, die Arbeitsbedingungen und
Betriebsklima zu analysieren. Die Coronapandemie hat ihren negativen
Beitrag in den vergangenen zwei Jahren geleistet und die Fluktuation
noch erhöht - am größten Sektor, der Pflege, waren auch die Auswirkungen
am deutlichsten.
Förderung der internen Mobilität angedacht
"Wir haben uns als Unternehmensspitze geeinigt,
dass wir die interne Mobilität fördern wollen", so wurde eine interne
Jobbörse gebildet, "wo man konkret auf Leute zugeht, die bereits
gekündigt haben", um sie so eventuell an anderer Stelle wieder zu
gewinnen. Und als eine Antwort auf die demografische Entwicklung, habe
man bei der größte Berufsgruppe "Pflege" bereits vor einigen Jahren die
Ausbildungsplätze massiv aufgestockt, dies werde sich bis 2024 massiv
auswirken, nachdem bis dahin gemeinsam mit dem FSW und dem FH Campus die
Anzahl der Ausbildungsplätze im Bereich Bachelor, Pflegeassistenz und
Pflegefachassistenz) bis dahin auf über 4.100 erhöht wird, aktuell sind
es noch 2.390.