Der Student der in Wien ansässigen CEU, Ahmed Samir Santawy, wurde laut Amnesty International Österreich am Montag in Kairo zu drei Jahren Haft verurteilt.
Das ägyptische Notstandsgericht für Staatssicherheit befand Santawy laut Amnesty der "Verbreitung von Falschnachrichten in sozialen Medien" für schuldig. Der aus Ägypten stammende Masterstudent Santawy wurde am Tag der Urteilsverkündung 31 Jahre alt.
Santawy wurde bei Heimatbesuch in Ägypten festgenommen
Er war im Februar 2021 bei einem Heimatbesuch
festgenommen worden. Santaway forschte zu Frauen- und
Abtreibungsrechten. Der Staatsanwalt der Staatssicherheit hatte von dem
inhaftierten Santaway Informationen über seine Forschungsergebnisse
bezüglich Islam und Abtreibung verlangt. Die Vorwürfe der Behörden
lauteten auf Mitgliedschaft in einer terroristischen Gruppe, Verbreitung
falscher Nachrichten und Nutzung eines Social-Media-Kontos zur
Verbreitung falscher Nachrichten.
Urteil von 2021 Anfang des Jahres aufgehoben
Im Juni 2021 verurteilte das
Notstandsgericht Santawy zu vier Jahren Gefängnis - das Urteil wurde
Anfang des Jahres aufgehoben, Santawy blieb in Haft. Zweimal verschoben
die ägyptischen Behörden die Wiederaufnahme des Verfahrens. Amnesty hat
im Vorfeld des Urteils damit gerechnet, dass Santawy freikomme, aber
Ägypten nicht verlassen dürfe und sich regelmäßig bei der Polizei melden
müsse: Es gebe einen ähnlichen Fall eines italienisch-ägyptischen
Staatsbürgers, hieß es seitens Amnesty.
NGO fordert sofortige Freilassung des Studenten der Wiener CEU
Die NGO zeigte sich
bestürzt über das Urteil und fordert die sofortige Freilassung von
Santawy. "Der gesamte Prozess war eine Farce, die sich über Monate
hingezogen hat. Das Urteil von heute setzt dem ein trauriges Ende",
sagte Annemarie Schlack, Geschäftsführerin von Amnesty International
Österreich. Santawy sei ein gewaltloser politischer Gefangener und
befinde sich unschuldig in Haft. "Ahmed hat noch vor kurzem in Wien
studiert. Nur weil ihm vorgeworfen wird, den ägyptischen Staat über
soziale Medien kritisiert zu haben, wurde er aus dem Leben gerissen und
sitzt seit über 17 Monaten unrechtmäßig im Gefängnis." Hunderte weitere
Menschen seien ähnlich betroffen.
ÖH sprach von "schockierender Urteilsverkündung
Von einer "schockierenden
Urteilsverkündung" sprach die Österreichische Hochschülerschaft (ÖH).
Der eigentliche Grund der Festnahme sei Santawys "kritische und
progressive Forschung". Das Urteil sei ein klarer Verstoß gegen die
Menschenrechte und dürfe nicht unbeantwortet bleiben. "Die Wissenschaft
und Lehre müssen frei sein", erklärte Keya Baier aus dem ÖH-Vorsitzteam.
Drei Jahre Haft für den Studenten der Wiener CEU
Die
Rektorin der Central European University (CEU), Shalini Randeria,
nannte das Urteil in einer Aussendung "eine Verhöhnung des Rechts und
der Gerechtigkeit". "Ahmed Samir Santawy ist ein politischer Gefangener.
Er wurde inhaftiert, weil er als Wissenschaftler und Privatperson von
seinem Recht auf Meinungsfreiheit und freie Meinungsäußerung Gebrauch
machte", so Randeria weiters.
Einsatz für Freilassung von
Santawy
ÖH, Amnesty International Österreich und die Central European University (CEU) setzen sich für die Freilassung des Studenten ein. Amnesty verwies in diesem Zusammenhang auf die Reise von Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP) nach Ägypten am vergangenen Wochenende: Dieser habe dabei unterstrichen, dass "die Achtung der Menschenrechte weltweit integraler Bestandteil der österreichischen Außenpolitik" sei.