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In die Hose

3-02-2018, 06:00

Als meine Schwester so ungefähr fünf Jahre alt war, hätte sie eine wunderbare US-Präsidentin abgegeben. Zwar drückte sie sich manchmal ein wenig merkwürdig aus – sie sagte „Fast“ statt Saft und „Pozilist“ statt Polizist und „Liki Lauda“ statt Niki Lauda – aber das ist ja, wie man sieht, kein Hindernis, um ins weiße Haus einzuziehen. Wenn es damals darum ging, eine Köstlichkeit verspeisen zu dürfen (etwa Erdbeeren in Topfencreme mit Biskotten) und meine Mutter mahnend sagte „Teresa, wir teilen gerecht!“, dann antwortete meine Schwester stets reflexartig: „Wir teilen gerecht, aber ich krieg mehr!“ Der sehr witzige Widerspruch in diesem Satz fiel ihr gar nicht auf – so sah ihre Vorstellung von Gerechtigkeit damals eben aus: Ich krieg mehr. Exakt dieser Grundsatz ist, wenn ich richtig verstehe, die Basis moderner neoliberaler Politik.

Meine Schwester war außerdem eine frühe Meisterin in der Handhabung von „alternativen Fakten“. Trug sich in unserer Wohnung eine Missetat zu und meine Schwester war dringend der Tat verdächtig, weil ihr zum Beispiel die elegant im Wohnzimmer  verteilte Nutella noch an den Händen und der Nase klebte, zeigte sie auf unseren Hund und rief „Schnauzi war’s!“ Dass der Beschuldigte mangels Daumens gar nicht in der Lage war, ein Glas Nutella zu öffnen, kümmerte sie wenig: „Schnauzi war’s trotzdem.“

Meine Schwester, im Alter von fünf Jahren, wäre ein guter amerikanischer Präsident gewesen, besser als der jetzige und auch deutlich cleverer.

Unsere Leserin Trude S. kann ein ähnliches Erlebnis erzählen:  „Mir sind zwei Brüder bekannt, die schon vor 20 Jahren, als sie noch im ,Hosenscheißer’-Alter waren, alternative Fakten kannten. Als dem kleinen Georg das Missgeschick passierte, dass er in die Hose kackte, zeigte er empört auf seinen Bruder und schluchzte: ,Der Franzi war’s!’“

So weit sind wir im Weißen Haus noch nicht. Noch.

Guido Tartarottis Kabarettprogramm "Selbstbetrug für Fortgeschrittene" ist  am 19. Februar  in der , am 21. Februar  und am 3. Mai im , am 2. März im am 17. März in der und am 20. März imWien zu sehen.

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