
Die weltweite Bewegung gegen ein System der Unterdrückung, zusammengefasst unter #metoo, hat auch Österreich erfasst. Endlich, füge ich in Erinnerung an meine persönlichen Erlebnisse an. Als ich vor vier Jahren in meinem Buch "Position Querdenker" beschrieben habe, wie ich als Austria-Jungprofi gepastert wurde, gab es kaum Reaktionen.
Außer, dass ich als Ungustl und Nestbeschmutzer dargestellt wurde. Offensichtlich ist erst 2017 das Bewusstsein vorhanden, um sich vom "Das gehört halt dazu"-Stempel zu lösen.
Nach dem, was in den letzten Wochen losgetreten von Nicole Werdenigg bekannt wurde, zeigt sich eine Linie: Viele haben es gewusst, aber keiner hat etwas gesagt.
Außerdem zeigt sich eine Überforderung, die verschiedenen Grenzüberschreitungen in ihrer Bedeutung einzuordnen. Es zeigt sich auch beim ÖSV: Der Fisch beginnt beim Kopf zu stinken.
Bei diesen unmenschlichen Initiationsriten wie auch bei sexuellen Übergriffen gibt es ein Über-Thema: Hierarchie. Überall dort, wo Menschen zusammenkommen, entstehen Machtverhältnisse.
Bei mir selbst war es so, dass ich bei meinem ersten Trainingslager mit den Austria-Profis ein unauffälliger Mitläufer war. Beim zweiten Trainingslager bin ich den Arrivierten schon auf die Zehen gestiegen – aber nur sportlich, in der täglichen Auseinandersetzung auf dem Trainingsplatz. Die Antwort war, dass ich gepastert wurde.
Als ich einem der Kollegen angeboten habe, in meinem Buch das Vorgehen zu erklären, schrieb der: "Paul war zu aufmüpfig." Die Logik dahinter: Zuerst lasse ich mich foltern, dann sollen wir gemeinsam ein Bier trinken, um die wieder zurechtgerückten Positionen zu besiegeln – und dann sind wir alle miteinander wieder gut Freund.
Da stellt sich mir schon die Frage, ob wir im 21. Jahrhundert tatsächlich die intelligenten Wesen sind, von denen alle reden.
Im Fußball gibt es immer noch Eltern, die Trainer zahlen, damit ihre Kinder aufgestellt werden. Von der bösartigeren Form der Karriere-Steuerung gegenüber Mädchen wurde zuletzt berichtet: Du gibst mir deinen Körper, dann bekommst du die besten Ski oder wirst in den Rennkader aufgenommen.
Meiner Meinung nach muss es in allen Institutionen eine Ansprechstelle geben. Wenn jemand etwas hört, muss er/sie wissen, wen man kontaktieren kann. Und dann müssen Täter wie Trainer zur Rechenschaft gezogen werden. Die Ausrede "Wir haben ja nix gewusst" darf nicht mehr reichen.
Das Buch "Position Querdenker" von Paul Scharner (Verlag Delius Klasing) ist weiterhin erhältlich.
