logo



[email protected]

Neues Wiener Sport-Club-Stadion für Eröffnung bereit

Gestern, 09:33

Der Sport-Club-Platz in Wien-Hernals wurde umfassend revitalisiert und bereitet sich auf das Eröffnungsspiel gegen den SV Horn in der Regionalliga Ost am Freitag vor. David Krapf-Günther, Vizepräsident des Wiener Sport-Clubs, äußerte die Hoffnung, dass in den kommenden Jahren sportliche Erfolge im neuen Wiener Sport-Club-Stadion erzielt werden können.

Während der Medienpräsentation liefen die Vorbereitungen im neuen Wiener Sport-Club-Stadion auf Hochtouren. Zahlreiche Bierfässer und Getränkekisten standen bereit, um vor dem um 19.30 Uhr angesetzten Spiel gegen Horn auf die zukünftigen Gastronomiebereiche verteilt zu werden. Neben Kantinen auf den Zuschauertribünen gibt es erstmals auch einen VIP-Bereich für 100 bis 150 Gäste. Grundsätzlich wurde der "englische Charme" des kleinen Stadions, in dem die Zuschauer wieder nah am Spielfeld sitzen können, beibehalten, sagte Krapf-Günther im Gespräch mit der APA.

ÖFB-Frauen und Vienna Vikings im neuen Wiener Sport-Club-Stadion

Die generelle Kapazität im neuen Wiener Sport-Club-Stadion liegt künftig bei Partien auf nationalem Niveau bei rund 5.600 Zuschauerinnen und Zuschauern, bei internationalen Spielen sind es circa 1.000 weniger. Die Stehplätze der sogenannten Friedhofstribüne werden dann zu Sitzplätzen umfunktioniert. Die Anlage verfügt über den Standard UEFA-Kategorie 2. Am 5. Juni wird das ÖFB-Frauen-Nationalteam das dritte Heimspiel der WM-Qualifikation im neuen Stadion im Bezirksteil Dornbach bestreiten. Die Truppe von Coach Alexander Schriebl bekommt es dann ab 18.00 Uhr mit Slowenien zu tun. Zudem steht das Wiener Sport-Club-Stadion für Nachwuchsbewerbe sowie Rugby und American Football zur Verfügung. Auch die Vienna Vikings sollen künftig manche ihrer Heimspiele hier austragen.

Die Runderneuerung des Wiener Sport-Club-Stadions war von Verzögerungen geprägt. Bereits 2018 waren Pläne zu einer Revitalisierung der Sportstätte präsentiert worden. Später wurden sie überarbeitet und ausgeweitet. Die Spielstätte wurde letztlich ab Juni 2024 revitalisiert. Die Kosten belaufen sich auf 22 Millionen Euro, die großteils von der Stadt Wien getragen werden. Zwei Millionen steuert der Bund bei.

Wiener Sport-Club-Stadion: Stadionarchitekt Albert Wimmer konzipierte Neugestaltung

Verantwortlich für die Renovierung und Neugestaltung zeichnete der Architekt Albert Wimmer. Sein Büro (Albert Wimmer ZT GmbH) konzipierte die Haupttribüne (West) und die sogenannte Friedhofstribüne (Nord) als neue Stahlbetonfertigteilkonstruktionen. Beide verfügen nun auch über Dächer. Diese wurden in einer Holzhybridbauweise mit Brettschichtholzelementen ausgeführt, erläuterte Georg Heinrich, Projektleiter der Wiener Infrastruktur Projekt GmbH (WIP), am Montag bei der Stadiontour das umweltfreundliche Projekt. Zudem sei eine Photovoltaikanlage installiert worden, die zusammen mit einer Wärmepumpe eine weitgehend autarke Energieversorgung ermöglichte. Unter dem Spielfeld wurde eine Regenwasserzisterne eingebaut, aus der die Rasenfläche bewässert werden soll. Zwei Aufzüge sorgen zudem für rollstuhlgerechte Barrierefreiheit.

Wimmer (Jahrgang 1947) gilt als einer der bedeutendsten Stadionplaner Österreichs. Für die Euro 2008 entwarf er drei der vier österreichischen Austragungsorte, nämlich die Stadien in Innsbruck (Tivoli-Neu), Klagenfurt (Wörthersee Stadion) und Salzburg (Wals-Siezenheim). Für die Euro 2012, die in Polen und der Ukraine ausgetragen wurde, konzipierte er das Stadion in Lwiw (Lemberg). Zudem leitete er unter anderem die Modernisierung der Red-Bull-Arena in der ostdeutschen Stadt Leipzig (ehemaliges Zentralstadion).

WSC weiterhin Pächter von Wiener Sport-Club-Stadion

Offiziell handelt es sich beim neuen Sport-Club-Platz um ein "Stadion der Stadt Wien", wie auch auf der Fassade des Hauptgebäudes an der Alszeile deutlich vermerkt ist. Der Wiener Sport-Club bleibt zwar Pächter der Anlage und ist für den operativen Betrieb verantwortlich, der ursprünglich vorgesehene, mit weißen inmitten von schwarzen Sesseln gestaltete Schriftzug "WSC" auf der Haupttribüne musste jedoch wieder entfernt werden. Das sorgt in Sportclub-Kreisen für resigniertes Achselzucken.

Geblieben ist die auf den ersten Blick etwas irritierende Jahreszahl 1883 auf der neu gestalteten Südtribüne. Der älteste Fußballverein in Österreich ist schließlich die in Döbling auf der Hohen Warte beheimatete Vienna mit dem Gründungsjahr 1894. Ein Blick in die Annalen bringt Aufklärung: Der Wiener Sport-Club ging aus dem Wiener Cyclisten Club hervor, der eben im Jahr 1883 gegründet wurde und sich zu Beginn nur dem Radrennsport widmete. Die Fußballsektion gibt es seit 1907.

Wiener Sport-Club-Stadion ist ältester durchgehend bespielter Fußballplatz Österreichs

Das allererste Fußballmatch auf dem Gelände des heutigen Sport-Club-Platzes in Dornbach fand aber bereits am 16. Oktober 1904 statt. Die "Wiener Sportvereinigung" schlug den ungarischen Soproni FK aus Ödenburg mit 7:3. Der Komplex an der Alszeile ist somit historischer Boden und gilt als der älteste durchgehend bespielte Fußballplatz Österreichs. Erste Um- und Ausbauten gab es bereits in den 1920er Jahren. Damals wohnten mitunter über 15.000 Personen den Matches bei, wobei es lange Zeit hinter den Toren nur Stehplätze auf Erdwällen gab. Nach der Errichtung neuer Tribünen in den 1970er- und 80er Jahren waren lange Zeit - auch bei Matches der obersten Spielklasse - knapp 8.000 Zuschauer zugelassen.

Das Interesse für das Eröffnungsspiel am Freitagabend ist groß. "Wir hätten über 10.000 Tickets verkaufen können", hieß es am Montag in Dornbach. Im Schnitt wird in der näheren Zukunft aber mit rund 2.500 Besuchern gerechnet. Da nun aber alle Tribünen überdacht sind, sei für gute Stimmung gesorgt, gab sich WSC-Vizepräsident und "Sektionsleiter Fußball" Krapf-Günther überzeugt. "Ich bin schon sehr gespannt auf die Gesänge, die man durch die Neugestaltung sehr gut hören wird. Ich glaube, dass die Fans sehr viel Spaß haben werden."

(APA/Red)

Nachrichtenquelle


© 2017-2024 wienpress.at [email protected]