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Wild-West-Methoden: Prozess um Brandstiftungen & Sachbeschädigungen am Wiener Brunnenmarkt

Heute, 17:15

Mit Methoden, die an den Wilden Westen erinnern, soll ein am Brunnenmarkt in Wien-Ottakring tätiger Geschäftsmann letzten Sommer gegen einen Mitbewerber vorgegangen sein. Laut Staatsanwaltschaft ließ er zuerst die Glasfront des Verkaufsstands mit Eisenstangen zerstören und anschließend zweimal Feuer legen. Am Dienstag fand am Landesgericht die Verhandlung gegen vier junge Männer statt, die der türkischstämmige Geschäftsmann laut Anklage angeworben hatte.

Zwei von ihnen wurden rechtskräftig zu teilbedingten Haftstrafen von 24 bzw. 21 Monaten verurteilt, wobei der unbedingte Strafteil acht bzw. sieben Monate ausmachte. Den Rest bekamen die zwei 20-Jährigen unter Setzung einer dreijährigen Probezeit bedingt nachgesehen. Gegen die zwei weiteren Angeklagten wurde vertagt.

Sachbeschädigungen und Brandstiftungen für Geld und Drogen

Für ein bisschen Bargeld und weil ihnen darüber hinaus auch Drogen versprochen wurden, hatten sich die Syrer im Alter von 20 bzw. 21 Jahren auf die "Zerstörungsaktionen" ein, wie sich Verteidiger Andreas Reichenbach ausdrückte, der zwei Angeklagte vertrat. Aufgrund ihrer prekären finanziellen Lage hätte sich das Quartett "hineintheatern" lassen.

Bei einem der Syrer handelte es sich um einen Mitarbeiter des Auftraggebers, gegen den das staatsanwaltschaftliche Ermittlungsverfahren noch nicht abgeschlossen ist. Der junge Syrer fand drei Landsleute, die - so der Vorwurf der Anklagebehörde - die Vorgaben des mutmaßlichen Bestimmungstäters in unterschiedlicher Zusammensetzung arbeitsteilig umsetzten.

Zuerst wurde am 21. Juli 2025 die Glasfront des Verkaufsstands beschädigt, indem mit Eisenstangen mehrere Löcher in die Scheiben geschlagen wurden. Drei Tage später wurden die noch intakten Scheiben zertrümmert. Der angerichtete Schaden sei dem Auftraggeber "zu wenig" gewesen, schilderte einer der Angeklagten einem Schöffensenat: "Er hat gesagt, dass es brennen muss." Er und seine Landsleute seien mit Videos, die die vorangegangenen Beschädigungen dokumentiert hatten, unter Druck gesetzt worden: "Er hat uns gesagt, dass er die Videos der Polizei geben wird, wenn wir nichts machen."

Feuersbrunst am Wiener Brunnenmarkt verhindert

Daraufhin wurden am 5. August mehrere Kanister Benzin vor dem Marktstand verschüttet und angezündet. Dank rascher Löschmaßnahmen kam es zu keiner Feuersbrunst, der Stand wurde auch nicht komplett abgefackelt. Am 12. August brannte es dann ein zweites Mal, nachdem zwei Angeklagte eine Plastikflasche mit einem Brandbeschleuniger entleert und diesen entflammt hatten. Auch dieser Brandanschlag verlief vergleichsweise glimpflich.

Beim betroffenen Besitzer handelte es sich übrigens um einen früheren Mitarbeiter des mutmaßlichen Auftraggebers. Dieser hatte dem Mann gekündigt, worauf dieser einen Marktstand in unmittelbarer Nähe seines früheren Arbeitsplatzes erwarb. Dass dieser recht gut ging, dürfte seinem früheren Chef mehr als nur ein Dorn im Auge gewesen sein.

(APA/Red.)

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