In Wien begann vor sechs Monaten das Projekt "Orientierungshilfe" zur Unterstützung von minderjährigen Intensivtätern. Jugendstadträtin Bettina Emmerling (NEOS) zog eine positive Zwischenbilanz, da die Zahl der Straftaten gesunken ist. Aktuell werden 14 Kinder von professionell geschulten "Buddies" betreut.
Die "Orientierungshilfe" soll verhindern, dass junge, strafunmündige Personen weiter in die Kriminalität abgleiten. Das Programm ist für Kinder gedacht, die wiederholt Straftaten verüben. Durchgeführt wird die Initiative von dem Verein "Rettet das Kind", der sich bei einer entsprechenden Ausschreibung durchsetzen konnte.
Weniger Straftaten nach Betreuung durch "Orientierungshilfe"
Begleitet werden derzeit ausschließlich Buben im Alter von zehn bis 14 Jahren. Man blicke sehr positiv auf die ersten Monate zurück, hob Emmerling hervor. Es seien deutliche Fortschritte registriert worden. Die Stadträtin berichtete von einer zum Teil starken Abnahme bei den Taten. Vier Kinder haben überhaupt keine Delikte mehr gesetzt, erläuterte die Sprecherin der Magistratsabteilung 11 (Kinder- und Jugendhilfe), Ingrid Pöschmann. Die meisten der betreuten Burschen gehen auch wieder in die Schule.
Zugeteilt werden die Betroffenen von einer Steuerungsgruppe, in der unter anderem die Exekutive vertreten ist. "Die Zusammenarbeit mit der Polizei ist essenziell", hob die MA-11-Sprecherin hervor. Die Steuerungsgruppe kann ein maßgeschneidertes Betreuungsangebot erstellen. Die Orientierungshilfe sei nun eine weitere Möglichkeit, hier einzuschreiten.
Die Kinder kommen laut Stadt meist aus sehr stark zerrütteten Verhältnissen, mitunter auch aus einem kriminellen oder von Drogenkonsum geprägten Umfeld. Rund die Hälfte lebt bereits in betreuten Wohngemeinschaften, wie der Geschäftsführer von "Rettet das Kind", Christian Reiner, ausführte. Bei den Delikten, die sie zu verantworten haben, handelt es sich meist um Vandalismus oder Diebstähle. Aber auch Überfälle oder Einbrüche finden sich auf der Liste.
"Orientierungshilfe": Hilfe wird angenommen
Im Einsatz sind insgesamt vier Mitarbeiter des Vereins. Der jeweilige Buddy hat meist mehrmals in der Woche Kontakt zu den Kindern. Gespräche stehen dabei genauso auf dem Programm wie gemeinsame Freizeitbeschäftigungen oder das Lernen für die Schule. Die Hilfe werde durchaus angenommen, berichtete Reiner: "Die Kinder wollen diese Beziehungen zu uns, sie dürsten eigentlich danach."
Viele von ihnen kämen aus einem Umfeld, in dem sie stark vernachlässigt worden seien und in dem sie Sorgen oder Ängste noch nie formuliert hätten. Trotzdem gebe es auch immer wieder schwierige Phasen, betonte Reiner. Es sei auch unterschiedlich, wie sehr sich die Kinder auf die Hilfe einlassen. "Es gibt vier, wo ich sage, die sind schwer zu knacken."
Für das Projekt sind pro Jahr 500.000 Euro budgetiert. Wie lange Kinder von Buddies unterstützt werden müssen, wird sich erst zeigen, wie heute betont wurde. Ein Zeitraum von einem Jahr sei dafür aber wohl jedenfalls zu veranschlagen, hieß es.
"Auszeit-WGs" in Planung
Für Fälle, in denen Hilfe nicht angenommen wird und wo bestehende Angebote ausgeschöpft sind, wird es künftig eine weitere Maßnahme geben. Wie Emmerling ausführte, laufen die Vorbereitungen für sogenannte Auszeit-WGs. Dort sollen Kinder auch angehalten werden können. Details zum Konzept werden laut der Stadträtin im April präsentiert.