Der Saisonstart im Wiener Konzerthaus am 9. September wird von Manfred Honeck mit seinem Pittsburgh Symphony Orchestra gestaltet. Alleine 216 Hausdebüts - vom Solisten über die Dirigenten bis zum Orchester - werde es in der neuen Saison geben, so Kulturmanager Matthias Naske.
Matthias Naske ist und bleibt als Intendant des Wiener Konzerthauses ein unverbesserlicher Optimist - ungeachtet der Krisen in der Welt und der heimischen Kulturbudgets. "Krisen gibt es jedes Jahr - wir haben uns schon daran gewöhnt", unterstrich der Kulturmanager am Mittwoch bei der Präsentation der neuen Saison: "Ich glaube an die Kraft der Musik, des Publikums und des Teams dieses Hauses."
"Halten das nicht ewig aus"
Dabei sieht sich das Konzerthaus heuer mit Subventionskürzungen vonseiten des Bundes und der Stadt in Höhe von insgesamt 400.000 Euro gegenüber, nachdem beide Fördergeber ihre Zuwendungen um jeweils zehn Prozent heruntergefahren haben. "Das tut uns weh - aber es hält uns nicht auf", zeigte sich Naske kämpferisch, auch wenn selbstredend gelte: "Wir halten das nicht ewig aus." Man werde einstweilen bei der Einwerbung von Spenden lästiger werden müssen. Die Kartenpreise sollen jedenfalls nicht über die Valorisierung der Inflation hinaus steigen.
Das Programm der kommenden 114. Saison bleibt jedenfalls prall. Rund 600 Konzerte in 65 Zyklen plant man als Eigenveranstaltung - inklusive derer von Partnern kommt man auf 900. 124 Orchesterkonzerte sind in der nächsten Spielzeit zu hören, wobei 30 Klangkörper aus dem Ausland kommen - vom Tonhalle Orchester über das Royal Philharmonic bis zur Kammerakademie Potsdam.
Aber selbstredend sind auch wieder die Wiener Philharmoniker und die Symphoniker am Haus zu erleben, wobei letztere als Hausorchester alleine 38 Konzerte gestalten. Die Philharmoniker hingegen sind unter anderem im Mai 2027 unter Starkomponist John Adams bei einem Kompendium seiner Arbeiten zu erleben. Und wie im Musikverein wird Markus Poschner als neuer Chefdirigent des RSO Einführungsgespräche bei seinen Konzerten offerieren.
Pittsburgh Symphony Orchestra zum Auftakt
Die Saisoneröffnung am 9. September gestaltet Manfred Honeck mit seinem Pittsburgh Symphony Orchestra, der ebenfalls ein Werk von John Adams im Talon hat, ansonsten aber auch Samuel Barber und Antonín Dvořák spielt. Franz Welser-Möst spielt im Haus am 17. Oktober im Rahmen seiner letzten Europatournee mit dem Cleveland Orchestra. Und Geigenwirbelwind Patricia Kopatchinskaja feiert ihren 50. Geburtstag mit dem epochenüberschreitenden Projekt "Prometheus".
Als Porträtkünstler hat man heuer den Violinisten Augustin Hadelich, den Pianisten Alexandre Kantorow und Sänger André Schuen verpflichtet, aber auch auf neue Kräfte setzt man im Konzerthaus. Alleine 216 Hausdebüts - vom Solisten über die Dirigenten bis zum Orchester - werde es in der neuen Saison geben, kündigte Naske an.
Dazu zählt auch das Dresdner Festspielorchester, mit dem man im Mai 2027 ein Mammutprojekt realisiert. Erstmals wird Wagners kompletter "Ring des Nibelungen" am Haus gegeben - konzertant gespielt unter Leitung von Kent Nagano, der gemeinsam mit Jan Vogler auch die künstlerische Gesamtverantwortung trägt. Mit historischen Instrumenten soll ein ganzeigener Klangeindruck der Tetralogie entstehen. "Ich kenne Wagner, aber ich habe die Stücke nicht wiedererkannt", umriss Vogler die Charakteristik. Die Tempi seien wesentlich freier, das Sprachverständnis zentral. "Es war eine musikwissenschaftliche Arbeit, die den Prozess führte", blickte Vogler zurück auf die Entstehungszeit. Über zehn Mio. Euro seien in das Projekt in den vergangenen Jahren geflossen.
50 im Raum verteilte Klaviere
Den 200. Todestag Beethovens feiert man etwa im Juni 2027 mit allen Symphonien an vier Abenden, gespielt von den Bamberger Symphonikern unter Jakub Hrůša, während das Belcea Quartet alle Streichquartette des Jubilars intoniert. Aber auch zeitgenössische Werke kommen ins Rampenlicht. So ist von Georg Friedrich Haas am 20. September die Komposition "11.000 Saiten" zu erleben, bei der 50 im Raum verteilte Klaviere zum Einsatz kommen. Und Mieczyslaw Weinbergs epochale Oper "Die Passagierin" wird von Mirga Gražinytė-Tyla und dem City of Birmingham Symphony am 6. April 2027 Orchestra gespielt.
Vollends begeistert von diesem Programm zeigte sich der Konzerthaus-Intendant, der gerüchtehalber immer wieder als ein möglicher Kandidat für die Leitung der Salzburger Festspiele gehandelt wird. Naske wollte die Personalsituation des Festivals indes nicht kommentieren und konstatierte mit Blick auf seine jetzige Arbeitsstelle lediglich: "Ich bin unendlich glücklich in diesem Haus und hoffe, dass ich weiter bleiben darf."
Zuvor hatte bereits Musikvereinschef Stephan Pauly gegenüber der APA von einem Kommentar zu den Vorgängen in Salzburg abgesehen, aber auf die Frage nach einer etwaigen Bewerbung klargestellt: "Ich bin seit fünf Jahren im Musikverein, und mein Vertrag geht bis 2030. Das ist ein ganz fantastischer und unvergleichlicher Ort. Für den Musikverein arbeiten zu dürfen, ist wunderbar und macht mich sehr glücklich."
Und der in der Gerüchteküche zumindest als Interimsintendant der Salzburger Festspiele hochgehandelte Nikolaus Bachler wollte sich am Mittwoch nicht zur Causa äußern. Im Rahmen einer Pressekonferenz als Chef der Osterfestspiele Salzburg beschied der 74-Jährige auf Nachfrage in Richtung der Salzburger Auguren: "Ich lese nichts, und ich höre nichts. Das ist nicht mein Thema. Das Einzige, was mich interessiert, ist die Bausache."