Zwei Verdächtige, die von der "Rip-Deal Unit Vienna" des Landeskriminalamtes Wien ermittelt wurden, sind in Italien vor ihrer geplanten Auslieferung nach Österreich geflüchtet. Die Wiener Polizei sucht nun auf Anordnung der Staatsanwaltschaft Wien mit Fotos nach dem italienischen Brüderpaar. Sie werden verdächtigt, zwei österreichische Brüder um über 300.000 Euro betrogen zu haben.
Am 6. November 2025 wurde in Wien und Mailand ein sogenannter Rip-Deal durchgeführt. Vier Verdächtige gaben sich gegenüber einem österreichischen Brüderpaar als internationale Geschäftsleute aus und vereinbarten den Kauf von drei Kilogramm Gold. Die Übergabe der 15 Goldbarren fand in einem Hotel im Zentrum Wiens statt, während in Mailand gleichzeitig die Geldübergabe stattfand, bei der echtes Geld kurz vor der Übergabe gegen Falschgeld ausgetauscht wurde.
Rip-Deal-Betrüger nach Ermittlungserfolg geflüchtet
Innerhalb von zwei Monaten forschte die "Rip-Deal Unit Vienna" drei der vier Tatverdächtigen aus. Italienische Polizisten nahmen am 12. Jänner aufgrund eines europäischen Haftbefehls zwei tatverdächtige Brüder, einen 29-Jährigen und einen 32-Jährigen nahe Turin fest. Nach der Festnahme wurden die beiden von den italienischen Behörden in einen ungesicherten und elektronisch nicht überwachten Hausarrest entlassen. Die Beschuldigten brachten Rechtsmittel gegen ihre Auslieferung nach Österreich ein.
Nachdem das oberste Berufungsgericht in Italien die Auslieferung nach Österreich rechtskräftig bestätigte, erfolgte durch die italienischen Polizeibehörden ein erneuter Zugriff an der Wohnadresse der Männer nahe Mailand. Bei der Amtshandlung gelang den Brüdern die Flucht. Eine sofortige Fahndung verlief ohne Erfolg, der derzeitige Aufenthaltsort der beiden ist den Behörden nicht bekannt. Hinweise zu den Gesuchten werden an das Landeskriminalamt Wien, Außenstelle Zentrum-Ost, "Rip-Deal Unit Vienna" unter der Telefonnummer 01-31310-62510 erbeten. Die Informationen werden streng vertraulich behandelt und können auch anonym übermittelt werden.
Polizei warnt vor Rip-Deal-Betrugsmasche
Rip-Deals werden laut Polizei nahezu ausschließlich von Familienclans der Westbalkanregion angewandt, die sich gegenüber den Opfern als reiche Geschäftsleute oder Investoren präsentieren. Es handelt sich um variantenreiche betrügerische Rechtsgeschäfte, bei denen zumeist vorgegeben wird, Luxusgüter wie Uhren oder Gold erwerben zu wollen. Rahmengeschäfte mit den späteren Opfern dienen jedoch nur als Vorwand, um Vertrauen zu gewinnen und die Glaubwürdigkeit zu untermauern, so die Warnung.
Die Täter beabsichtigen meist, die Geschäfte zumindest teilweise im Ausland abzuwickeln, wo die Luxusgüter unbemerkt gegen wertlose Güter ausgetauscht werden oder unbemerkt Falschgeld übergeben wird. Auch beim Verkauf von Immobilien, Booten oder hochpreisigen Autos schlagen die Täter mittels angeblicher Vermittlungsprovisionen - oftmals auch in Kryptowährung - zu.
80 Prozent Aufklärungsquote
Die "Rip-Deal Unit Vienna" hat seit dem Jahr 2020 allein in Österreich in über 113 Fällen ermittelt und im Zuge der Assistenzleistung für ausländische Dienststellen über 147 Fälle geklärt und rund 205 Täter ausgeforscht. Die Sonderermittlungsgruppe gilt mit einer Aufklärungsquote von 80 Prozent als europaweit führend und unterstützt mit ihrer Expertise regelmäßig andere Ermittlungsgruppen im In- und Ausland, betonte die Wiener Polizei.