Zu Jahresbeginn ist die Zahl der Unternehmensinsolvenzen gesunken, mit prognostizierten 1.687 Anmeldungen im ersten Quartal, was einem Rückgang von 6 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht. Die vorläufigen Verbindlichkeiten belaufen sich auf rund 2 Milliarden Euro, was etwa 23 Prozent unter dem Vergleichswert von 2025 liegt. Ohne die mit Abstand größte Insolvenz in diesem Jahr - die der Laura Privatstiftung aus dem gescheiterten Signa-Imperium mit 1 Milliarde Euro - wäre der Rückgang noch deutlicher, berichtete der KSV1870.
Eine seriöse Einschätzung fürs gesamte Jahr 2026 sei zum jetzigen Zeitpunkt angesichts vieler, größtenteils global verursachter Unsicherheiten kaum möglich. Im Bereich des Möglichen liege es, dass es gegenüber 2025 bei den Firmeninsolvenzen keinen Anstieg gibt. Insgesamt bleibe das Niveau aber hoch, von einer Trendumkehr will KSV-Insolvenzrechtler Karl-Heinz Götze auf Basis des bisherigen Entwicklung heuer nicht sprechen, dafür sei es zu früh. "Aus heutiger Sicht erwarten wir im Jahresverlauf keine eklatanten Verschiebungen bei den Fallzahlen der Unternehmensinsolvenzen."
Firmenpleiten: Zahl nicht eröffneter Verfahren steigt
Die Anmeldungen sind insgesamt um 6 Prozent gesunken. Die Zahl der mangels Masse nicht eröffneten Fälle ist aber um fast 5 Prozent gestiegen, während die Zahl der eröffneten Verfahren um 12 Prozent zurückging. 41 Prozent der Anmeldungen wurden nicht eröffnet. Das heißt, die Pleitefirmen können nicht einmal die 4.000 Euro für ein ordentliches Insolvenzverfahren aufbringen.
Ohne Verfahren steigen die Verluste der Gläubiger noch weiter, warnt Götze. "Angesichts dieser Entwicklungen ist es wohl an der Zeit, sich konkret darüber Gedanken zu machen, wie man aus gesetzlicher Sicht mit derartigen Fällen in Zukunft umgehen möchte", fordert der Gläubigerschützer.
Insolvenzen: Lage in der Gastronomie verschärft
Nach Branchen gab es die meisten Insolvenzen heuer bisher im Handel und Baugewerbe. Dahinter folgt die Gastronomie, wo sich die Lage laut KSV verschärft. Dieser Entwicklung liege ein Mix an Ursachen zugrunde, der sich vorwiegend aus hohen Betriebskosten, einer schwachen wirtschaftlichen Gesamtlage und strukturellen Problemen wie geringen Gewinnmargen und starker Konkurrenz generiere. Gleichzeitig werden Öffnungszeiten wegen Personalmangels oder wirtschaftlichen Gründen verkürzt. Nötige Einnahmen müssen dann in kürzerer Zeit erwirtschaftet werden, das führe schlussendlich aber immer wieder in finanzielle Schieflagen.
Rund 24 Privatinsolvenz-Verfahren pro Tag neu
Bei den Privatinsolvenzen wurden hochgerechnet im ersten Vierteljahr in Österreich 2.150 eröffnete Schuldenregulierungsverfahren gezählt. Das entspricht einem Rückgang auf rund 24 Fälle pro Tag oder gut 5 Prozent im Periodenvergleich.