Kraftklub sorgte für ein beeindruckendes Ereignis: Am Sonntag waren 15.000 Fans beim Auftritt der Band in der Wiener Stadthalle mehr als zwei Stunden ununterbrochen aktiv. Die Chemnitzer Band bot dazu den idealen musikalischen Rahmen: "Wir hauen einen Banger nach dem anderen raus", rief Sänger und Rapper Felix Brummer. Live sind Kraftklub eine Macht, wie sie mit dem furiosen Gastspiel untermauerten. Dass man längst im Mainstream angekommen ist, tut dem Spaß keinen Abbruch.
Das aktuelle Album von Kraftklub trägt den Titel "Sterben in Karl-Marx-Stadt". Die Bühne war im Industrial-Stil gestaltet, und der Abend begann mit dem Song "Marlboro Mann". Konfetti, Nebel, Moshpit und ein engagiertes Publikum sorgten schnell für eine mitreißende Stimmung, die während der gesamten Show anhielt. Beim letzten Lied vor den Zugaben, "Randale", herrschte ausgelassene Energie. Die Mischung aus Rock, Rap, Punk, Elektronik, Hardcore und Techno-Beats prägte den Abend. Auch wenn die Songs auf dem Album manchmal einfach wirken, entfalten sie live eine kraftvolle und befreiende Wirkung.
Eine Art Konzeptalbum über den Tod und die Liebe lieferten die Chemnitzer mit "Sterben in Karl-Marx-Stadt" ab. Ganze zehn Stücke daraus, also fast das gesamte Album, haben sie auf der aktuellen Tour im Programm, rund die Hälfte des gesamten Sets - Hut ab dafür. Der Mut für Neues wurde belohnt: Die Fans in Wien kannten sie alle bereits auswendig. Als Belohnung gab es zwischendurch die alten Kracher wie "Ich will nicht nach Berlin" ("alle auf, auch da oben!" - wird gemacht, Felix), "Chemie Chemie Ya" oder zum finalen Ausrasten "Songs für Liam".
Bei ihrem ersten Wien-Besuch im Dezember 2011 hatte der Kraftklub im Klub B72 bei einer überschaubaren Menge Eindruck hinterlassen. Beim Weg in die großen Hallen hat die Gruppe ihre Performance perfektioniert, man kann längst auch Show: "Halts Maul und spiel" sang Brummer von einer Garderobe kommend, quer durch das Publikum. Drei Lieder gab dann die gesamte Band in der Crowd zum Besten. Die Coverversion von "I Love It" wurde im Gesangsverbund mit den Musikerinnen der Supportband Lovehead heruntergeschrubbt. Ein Geburtstags"kind" durfte einen Song am Glücksrad erdrehen ("Scheißindiedisco").
Aber in erster Linie lag es am Spiel der Band, dass der Schweiß in Strömen floss. "Das werden die wildesten Trauerfeiern, die es je gegeben hat", hatte diese im Vorfeld auf den Inhalt und Titel des Albums bezogen angekündigt. Wahrlich: Ausgelassener, kompakter und energievoller wie etwa bei "Ein letztes Mal" oder "Unsterblich sein" kann eine Rockband das Thema kaum abhandeln. Trotz aller Partystimmung sei erwähnt, dass der Kraftklub gegen Verblödung und Rechtsruck antritt. "Ich hab noch immer Bock auf Streit, ich sing schief in jedem Chor", unterstrich dies Brummer mit 15.000 Mitsingenden. Am Samstag waren Kraftklub in Graz aufgetreten. Wer eines der beiden Österreich-Konzerte verpasst hat: Die Band kommt zum FM4 Frequency Festival (20. bis 22. August) nach St. Pölten.