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Schulbuchverlage durch Oberstufen-Lehrplanreform unter Zeitdruck

Heute, 07:59

Ab Herbst 2027 sollen die AHS-Oberstufen neue Lehrpläne erhalten. Obwohl die Arbeiten Ende 2025 abgeschlossen waren, gibt es in einigen Fächern erneut Änderungen. Bildungsminister Wiederkehr fordert mehr Unterricht in Medien, Demokratie und Künstlicher Intelligenz, während Stunden in Latein und der zweiten lebenden Fremdsprache gekürzt werden sollen. Eine Einigung mit den Koalitionspartnern steht noch aus, was den Zeitplan für die Schulbücher dieser Fächer unter Druck setzt.

In Österreich dauert es normalerweise bis zu zwei Jahre, bis ein Lehrwerk auf der Schulbuchliste steht und bestellt werden kann. Für die Schulbücher der 5. Klassen AHS für das Schuljahr 2027/28 ist ein schnelleres Vorgehen nötig, da die Lehrpläne, mit denen sie übereinstimmen müssen, noch nicht fertig sind. Die Verlage hatten Zeit bis zum 1. Mai, ihre Werke einzureichen, obwohl die neuen Lehrpläne zu diesem Zeitpunkt noch nicht verordnet waren. Besonders herausfordernd ist die Situation bei den Fächern Informatikunterricht und Medienbildung, da hier noch keine Einigung zwischen ÖVP und SPÖ erzielt wurde.

Notvariante für Schulbuchverlage gab es schon bisher

Die Schulbuchherstellung finde derzeit "unter erschwerten Rahmenbedingungen" statt, hieß es bei der Allianz Bildungsmedien auf APA-Anfrage - auch wenn es grundsätzlich nicht ungewöhnlich sei, dass die finalen Lehrpläne erst knapp vor dem Start der Schulbuchentwicklung bekannt werden. Derzeit arbeiten die Verlage deshalb auf Basis von Lehrplan-Vorentwürfen und in enger Abstimmung mit der Schulbuchabteilung des Ministeriums, bis die Verordnung da ist. Heikel werden könnte es allerdings in Informatik, das über die vier Oberstufenjahre von zwei auf drei Stunden aufgestockt und um das Thema KI erweitert werden soll, und beim komplett neuen Fach "Medien und Demokratie". Eigentlich hätten die Verlage die Lehrpläne dieser Fächer idealerweise schon im Vorjahr gebraucht. Jetzt sei "eine sehr zeitnahe Klarheit entscheidend, um eine realistische Fertigstellung zu gewährleisten", so die Allianz Bildungsmedien.

Auch wie aufwendig die Änderungen durch etwaige Stundenkürzungen bei Latein im Gymnasium bzw. der zweiten lebenden Fremdsprache im (Wirtschaftskundlichen) Realgymnasium wären, ist für die Verlage nicht abschätzbar. Weniger Stunden würden nämlich unterschiedliche Vertiefungsgrade, Kompetenzniveaus und inhaltliche Schwerpunkte bedeuten. Das müsse sich auch im Schulbuch widerspiegeln. Die Entscheidung, ob ein Werk nach eingehender Prüfung des Ministeriums und Einarbeitung von Änderungsaufträgen in die Schulbuchliste aufgenommen wird, fällt laut Allianz üblicherweise bis Ende November. Kommen die neuen Lehrpläne zu spät, bliebe noch eine Notvariante, damit die Lehrkräfte im Herbst 2027 in diesen Fächern trotzdem nicht ohne Schulbücher dastehen: Schulen können 15 Prozent ihres Schulbuchbudgets für Unterrichtsmittel eigener Wahl einsetzen und in diesem Jahrgang Bücher einsetzen, die noch nicht approbiert sind und erneut überarbeitet werden müssen. Solche Übergangslösungen gab es schon in der Vergangenheit, hieß es aus der Allianz Bildungsmedien, die gleichzeitig einmal mehr für ein schnelleres und effizienteres Qualitätssicherungsverfahren plädierte.

AHS-Lehrer: Neue Oberstufen-Lehrpläne gibt es schon

Für Eva Guserle, ÖVP-nahe AHS-Lehrervertreterin und Vorsitzende der Professoren Union ÖPU, wäre die aktuelle Zitterpartie nicht notwendig gewesen. Sie kritisierte gegenüber der APA einmal mehr Wiederkehrs Vorgangsweise bei der geplanten Reform, speziell für die Gymnasien. Er habe zwar recht damit, dass Medien-, Demokratie- und Digitale Bildung noch stärker im Unterricht vorkommen sollen. Dafür müsse man aber nichts mehr neu erfinden: In den vergangenen zwei Jahren hätten Lehrkräfte unter wissenschaftlicher Begleitung bereits neue AHS-Oberstufen-Lehrpläne erstellt und auch die vom Minister geforderte Schwerpunktsetzung sei darin verankert - nämlich als Teil jener 13 übergreifenden Themen, die künftig in allen Fächern und auch Schulbüchern vorkommen müssen.

Der Minister schneide stattdessen mit den geplanten Stundenkürzungen bei den Sprachen zugunsten von KI-, Demokratie- und Medienbildung "in den Fächerkanon der Gymnasien hinein". Anders als vom Ministerium dargestellt hätten auch die 90 Prozent der AHS mit einem schulautonomen Stundenplan wenig Spielraum: Um über die schulautonomen Stunden den Sprachfokus aufrechtzuerhalten, müssten sie nämlich im Gegenzug ihre über Jahre erarbeiteten Schulprofile opfern, kritisiert Guserle.

Beim Fach Latein würden Wiederkehrs Pläne noch dazu kompliziert und teuer kommen, so die Lehrervertreterin. Der Unterricht müsste dann in vielen Minigruppen stattfinden, da durch die unterschiedlichen Stundentafeln die Lateinschüler verschiedener Zweige nicht mehr zusammengefasst werden könnten. Weil durch die Wiederkehr-Pläne manche Oberstufenschüler acht Stunden Latein lernen würden und andere zehn, bräuchte es außerdem neben einem zusätzlichen Latein-Lehrplan samt entsprechenden Büchern eine weitere Zentralmatura-Variante.

(APA/Red)

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