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Greenpeace-Test findet erneut Kleidung mit PFAS auf Shein

Gestern, 05:00

Greenpeace untersuchte im letzten Jahr 56 Kleidungsstücke von Shein auf Chemikalien und entdeckte PFAS in Outdoorjacken, die in der EU verboten sind. Shein versprach, diese Artikel weltweit zu entfernen. Die NGO fand jedoch nun ähnliche Produkte erneut auf der Plattform.

Die Laborergebnisse zu PFAS waren besonders besorgniserregend, da neun von elf getesteten Jacken die EU-Grenzwerte überschritten, eine Damenjacke sogar um das 3.115-fache. Laut Madeleine Drescher von Greenpeace in Österreich entfernt Shein zwar verbotene Produkte, jedoch tauchen sie schnell wieder im Angebot auf. Dies sei kein Zufall, sondern ein systematisches Problem. Zudem wurden EU-Grenzwerte in 18 Fällen bei Phthalaten und in drei weiteren bei den Schwermetallen Cadmium und Blei überschritten.

Greenpeace fordert PFAS-Verbot für Textilien

Da Shein als Marktplatz organisiert sei, gelten laut Greenpeace die Käufer rechtlich oft als Importierende und seien selbst für die Einhaltung der EU-Regeln verantwortlich und machen sich schlimmstenfalls strafbar. Greenpeace fordert die Regierung erneut auf, Konzerne wie Shein "stärker in die Verantwortung zu nehmen und PFAS zu verbieten."

In der EU seien einige PFAS ja bereits verboten oder stark eingeschränkt, sie seien in Mensch und Umwelt kaum abbaubar und stehen im Verdacht, schwerwiegende Erkrankungen wie Krebs zu verursachen. Während europäische Unternehmen belastete Produkte zurückrufen müssen, wälze die Plattform die Haftung und das damit verbundene Risiko auf ihre Kundschaft ab. Greenpeace rief die Regierung auch auf, sich in der EU für ein rasches PFAS-Verbot in Textilien einzusetzen.

Shein reagierte auf neue Ergebnisse von Greenpeace-Test

"Alle in dem vorherigen Bericht von Greenpeace genannten Produkte wurden umgehend weltweit von unserer Plattform entfernt, wie es unsere eigenen Standardprotokolle vorschreiben. Die Produkte sind auch weiterhin nicht auf unserer Website gelistet. Auch die in dem vorliegenden Bericht identifizierten Produkte wurden unmittelbar entfernt, nachdem wir über die Ergebnisse informiert wurden. Gleichzeitig führen wir weitere eigene Tests durch", hieß es am Donnerstagnachmittag in einer Stellungnahme von Shein gegenüber der APA.

"Wir setzen uns mit den Bedenken hinsichtlich unserer Prozesse im Umgang mit solchen Fällen auseinander und erkennen an, dass dieser Vorgang Bereiche aufzeigt, in denen unsere Kontrollen weiter gestärkt werden können", zeigte sich das Unternehmen selbstkritisch. "Unmittelbar nachdem wir von den Bedenken erfahren haben, haben wir Maßnahmen eingeleitet, um Verbesserungspotenziale bezüglich unserer Schutzmaßnahmen zu identifizieren", hieß es. "Zudem verschärfen wir unseren Maßnahmenkatalog gegenüber Anbietern, die sich nicht an unsere Anforderungen und Regeln halten, unter anderem durch schnellere Aussetzung oder Beendigung von Verträgen sowie verschärfte finanzielle Sanktionen."

Königsberger-Ludwig für Plattformhaftung

Gesundheits- und Konsumentenschutzstaatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ) reagierte auf den Greenpeace-"Nachtest". Sie setze sich für ein gemeinsames Vorgehen auf EU-Ebene ein, denn "mit Einzelkontrollen kommt man einem solchen System nicht bei", hieß es in einem Statement gegenüber der APA. Man stimme sich deshalb eng mit den europäischen Partnern ab. Wer in Europa Geschäfte macht und Milliarden verdient, muss auch Verantwortung für die dort verkauften Produkte übernehmen, "dafür brauchen wir endlich echte Plattformhaftung."

Zadić für PFAS-Verbot und mehr Kontrollen

Grünen-Konsumentenschutzsprecherin Alma Zadić trat indes für ein umfangreiches PFAS-Verbot in Alltagsprodukten in der ganzen EU ein, aber auch für deutlich mehr Ressourcen für Zoll- und Marktüberwachungsbehörden. "Wir brauchen Kontrollen, Kontrollen, Kontrollen. Wenn Hunderttausende Pakete täglich ins Land kommen, darf Produktsicherheit nicht Glückssache sein." Auf Konsumentenebene brauche es zudem ebenfalls in der gesamten EU "eindeutige Zuständigkeiten, umfangreich behördliche Testungen nach modernsten Standards und klare Meldemechanismen und verpflichtende Rückrufe, in Österreich und der EU".

(APA/Red)

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