Mehrere Hundert Personen, darunter Doris Schmidauer, die Ehefrau des Bundespräsidenten, und Staatssekretär Pröll, nahmen an einem ökumenischen Friedensgebet im Stephansdom teil. Anlass war der vierte Jahrestag der russischen Invasion in der Ukraine. Ein ukrainischer Chor führte ein Requiem von Maurice Duruflé auf.
"Der vierte Jahrestag erinnert uns daran, dass wir trotz der Last der Jahre nicht müde werden dürfen", so der Generalvikar für die Katholiken des byzantinischen Ritus in Österreich, Jurij Kolassa, in seiner Ansprache. Man treffe sich hier in Wien "in Trauer, Anteilnahme und mit Bitten um Frieden". Die Einheit im Gebet über Grenzen, Sprachen und religiöse Grenzen hinweg sei ein Zeichen der Hoffnung, betonte er und zählte in der Ukraine vertretenen christliche Konfessionen auf.
Ökumenisches Friedensgebet für Ukraine ohne russische Orthodoxie
Unerwähnt blieben in Kolassas Aufzählung jene Christen in der Ukraine, die sich als Teil der russisch-orthodoxen Kirche sehen. Auch bei anschließenden Fürbitten im Stephansdom von Geistlichen zahlreicher christlicher Konfessionen fehlte wie in Wien bei allen ökumenischen Veranstaltungen seit Beginn des russischen Invasion ein Vertreter der russisch-orthodoxen Kirche, dessen Patriarch Kirill in Moskau ein als maßgeblicher Unterstützer des russischen Präsidenten Wladmir Putin und von Russlands Krieg gegen die Ukraine gilt. Als Vertreter der Ukraine kam abschließend im Stephansdom der ukrainische Botschafter in Österreich, Wassyl Chymynez, zu Wort. Niemand habe vor vier Jahren geahnt, dass "Jak ty?" (Wie geht es dir?) die wichtigsten Worte der Welt werden würden. Die größte Angst sei dabei, keine Antwort zu bekommen. Explizit bedankte sich der Botschafter bei seinem Gastland: Österreich habe gezeigt, dass Solidarität nicht nur Worte seien, sondern auch offene Türen, ausgestreckte Hände und Hilfe für vor dem Krieg geflohene Menschen.
Botschafter: Schwächung der Ukraine bedeutet Kriegsverlängerung
"Dieser Tag erinnert nicht nur an einen schrecklichen Krieg, sondern mahnt auch, dass Frieden und Sicherheit keine Selbstverständlichkeit sind: Dafür muss man sich auch einsetzen, dafür muss man kämpfen und man muss sich verteidigen", sagte Chymynez am Rande des Friedensgebets der APA. Weitere Unterstützung der Ukraine sei ein Weg, der zum Frieden führen werde. Andererseits würde eine Schwächung der Ukraine bedeuten, dass der Aggressor gestärkt würde und dies bedeutete eine Verlängerung des Krieges. Der Botschafter betonte in diesem Zusammenhang die Bedeutung von humanitärer Unterstützung aus Österreich, die wie ein geheiztes Zelt des österreichischen Roten Kreuzes in Kiew auch in der Ukraine sichtbar wäre. Mit Slogans wie "Ruhm den ukrainischen Streitkräften" waren unmittelbar im Anschluss an das Friedensgebet auch deutlich kämpferische Töne am Stephansplatz zu hören: Einige hundert Angehörigen der ukrainischen Diaspora, darunter viele junge Frauen, hatten sich zu einer ersten Kundgebung des 24. Februar versammelt.
Auftakt zu Demonstration vor Parlament in Wien
"Das was dieser Scheißrussland macht, ist ...", erklärte auf Ukrainisch die Vorsitzende des Vereins "Unlimited Democracy", Anna Pattermann, und vermied dabei ein sehr explizites Schimpfwort auszusprechen. Auch aus einer österreichischen Perspektive werde alles von Jahr zu Jahr schlimmer. Je länger der Krieg andauere, desto größer werde der Einfluss Russlands. Man sehe auch eine Normalisierung des Krieges, kritisierte sie. Pattermann forderte die anwesenden Ukrainer und Ukrainerinnen auf, einander zu unterstützen. Angesichts von russischer Propaganda sei es aber auch wichtig, ausländische Freunde zu informieren, was in der Ukraine passiere. "Einfache Reposts in sozialen Netzwerken zu machen, reicht nicht mehr - das ist zu sehr wie Autopilot. Schreibt eure eigenen Geschichten und eure Gedanken", erklärte die Aktivistin. Sie forderte die versammelte Community auf im Anschluss an einer Großdemonstration teilzunehmen, die um 18 Uhr vor dem österreichischen Parlament beginnen sollte.