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Protestmärsche gegen Akademikerball in Wien

Gestern, 19:02

Der "Akademikerball" in der Wiener Hofburg hat erneut Proteste in der Innenstadt ausgelöst. Zwei Protestkundgebungen finden seit dem Nachmittag statt. Am Veranstaltungsort wird mit der Anwesenheit von FPÖ-Prominenten wie Nationalratspräsident Walter Rosenkranz und Wiens FPÖ-Chef Dominik Nepp gerechnet. FPÖ-Obmann Herbert Kickl nimmt wie üblich nicht teil.

Seit 18 Uhr besteht ein Platzverbot am Heldenplatz, um Demonstranten und Akademikerball-Besucher zu trennen. Gegner des umstrittenen Events, das als internationales Treffen von Rechtsextremen gilt, sammelten sich am Nachmittag für zwei Demonstrationszüge. Die Wiener Polizei riet, die Innenstadt weiträumig zu meiden. Es kam zu kleineren Verkehrsbehinderungen und Umleitungen, auch im öffentlichen Verkehr.

Zwei Protestmärsche gegen Akademikerball in Wien

Wie schon in den vergangenen Jahren lockte auch heuer wieder ein Demo-Aufruf der Plattform "Offensive gegen Rechts" Gegner des Balles in die Innenstadt: "Auf die Straße gegen Burschis & Faschos" lautet das Motto des Protestzuges, der sich seit 17 Uhr vor der Hauptuni Wien sammelte. Die geplante Marschroute geht vom Universitätsring über den Schottenring zur Wipplingerstraße, dann weiter auf den Hohen Markt, die Rotenturmstraße bis zum Stephansplatz. Kurz nach 18 Uhr hielt sich der Zustrom im Vergleich zu den Jahren davor noch in Grenzen, einigen hundert Demonstranten hatten sich vor der Hauptuni eingefunden.

Start der zweiten - "Budenbummel" genannten - Kundgebung war um etwa 17.45 Uhr, Ausgangspunkt war der Urban-Loritz-Platz. Der Protestmarsch dürfte mehrere "Buden" von Burschenschaftern passieren; er geht über die Westbahnstraße zur Zieglergasse, Kandlgasse und Herrmanngasse zur Burggasse. Weiter geht es dann über die Neubaugasse, die Zeltgasse, die Piaristengasse und die Lerchenfelder Straße bis zum Grete-Rehor-Park am Schmerlingplatz.

Protestmärsche gegen Akademikerball: Zahlreiche Polizeibeamte im Einsatz

Insgesamt stehen am Freitag laut der Exekutive mehrere hundert Polizisten aus Wien im Einsatz, die auch Unterstützung von Kolleginnen und Kollegen aus den Bundesländern erhalten.

Proteste gegen Akademikerball seit vielen Jahren

Der Wiener Akademikerball findet seit 2013 unter seinem aktuellen Namen statt. Er gilt als offizieller Nachfolger des WKR-Balls, der davor seit 1952 von Farben tragenden und mehrheitlich schlagenden Hochschulkorporationen ausgerichtet worden war. Mehrheitlich von linker Seite dagegen demonstriert wird schon seit vielen Jahren, wobei es vor allem vor dem Veranstalterwechsel teilweise zu heftigen Protesten gekommen war. In den letzten Jahren wurde es hingegen spürbar ruhiger rund um den Veranstaltungsort, im Vorjahr waren die Proteste laut Exekutive "ohne nennenswerte Zwischenfälle" verlaufen. In der Hofburg selbst gaben sich die Teilnehmenden zumeist betont gelassen und verurteilten die "gewalttätigen Ausschreitungen" regelmäßig.

Wieder akademischer Festredner bei Akademikerball

Während zu WKR-Zeiten noch Uni-Rektoren die Festreden hielten, brachen danach neue Zeiten an: So sprach etwa 2018 der einstige FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache vor den versammelten Burschenschaftern und verurteilte dabei sogar Antisemitismus in den eigenen Reihen. Zweimal trat auch der damalige FPÖ-Volksanwalt und nunmehrige Nationalratspräsident Walter Rosenkranz auf, seit letztem Jahr wird die Rede wieder von einem Akademiker gehalten, auch heuer ist eine solche Vorgangsweise zu erwarten. Parteichef Kickl bleibt der Veranstaltung seit jeher fern, er sei kein Ballgeher, heißt es aus seinem Büro.

Scharfe Kritik an Akademikerball-Teilnahme Rosenkranz

Kritik an der Teilnahme von Nationalratspräsident Rosenkranz kam bereits am Vortag von SPÖ und Grünen: "Der Akademikerball steht seit Jahren für ein Milieu, das deutschnationales und rechtsextremes Gedankengut verharmlost. Wer als Nationalratspräsident eine überparteiliche und verbindende Rolle innehat, darf solchen Veranstaltungen nicht durch seine Anwesenheit Legitimität verleihen", sagte etwa SPÖ-Erinnerungskultur-Sprecherin Sabine Schatz. Die FPÖ wies die Kritik zurück.

(APA/Red)

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