Während in der Wiener Hofburg heute Abend der Akademikerball stattfindet, formiert sich in der Innenstadt erneut Protest. Mehrere Demonstrationen sind angekündigt, rund um den Veranstaltungsort gilt ein Platzverbot - Polizei-Großeinsatz inklusive.
Am Freitagabend findet in der Wiener Hofburg erneut der freiheitliche Akademikerball statt. Die Veranstaltung gilt als gesellschaftlicher Fixpunkt im burschenschaftlichen Kalender, sorgt jedoch seit Jahren für politische Kontroversen und umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen.
Auch heuer sind mehrere Demonstrationen angekündigt, die Polizei steht mit einem Großaufgebot im Einsatz. In der Wiener Innenstadt ist ab dem späten Nachmittag mit Verkehrsbehinderungen zu rechnen.
Platzverbot rund um Wiener Heldenplatz
Rund um den Heldenplatz wird ab 17 Uhr ein Platzverbot verhängt. Ziel ist es, ein direktes Aufeinandertreffen von Demonstrierenden und Ballgästen zu verhindern. Betroffen ist vor allem der unmittelbare Bereich rund um die Hofburg, Einschränkungen sind auch in angrenzenden Straßen möglich. Neben Straßensperren ist mit kurzfristigen Umleitungen im Individualverkehr sowie im öffentlichen Verkehr zu rechnen.
Zwei Demonstrationszüge geplant
Gegen den Ball mobilisieren mehrere zivilgesellschaftliche Initiativen. Die Plattform "Offensive gegen Rechts" organisiert eine Kundgebung vor der Universität Wien, von dort zieht der Demonstrationszug weiter in Richtung Stephansplatz. Zeitgleich soll ein weiterer Protest unter dem Titel "Budenbummel" vom Urban-Loritz-Platz starten und über mehrere Stationen bis zum Schmerlingplatz führen. Der Name bezieht sich auf studentische Verbindungen ("Buden"), an denen der Zug vorbeiziehen soll.
In den vergangenen Jahren nahmen jeweils mehrere hundert bis tausend Personen an den Protesten teil. Während es rund um den früheren WKR-Ball vereinzelt zu massiven Ausschreitungen kam, verliefen die Demonstrationen zuletzt laut Polizei weitgehend ruhig und ohne größere Zwischenfälle.
Politische Kritik im Vorfeld des Akademikerballs
In der Hofburg selbst werden unter anderem Nationalratspräsident Walter Rosenkranz sowie Wiens FPÖ-Chef Dominik Nepp erwartet. FPÖ-Obmann Herbert Kickl bleibt dem Ball erneut fern.
Im Vorfeld gab es scharfe Kritik von SPÖ und Grünen an der Teilnahme des Nationalratspräsidenten. Vertreter der Opposition betonen, das Amt verlange politische Zurückhaltung und eine überparteiliche Rolle. Kritiker sehen im Akademikerball eine internationale Vernetzungsplattform für die extreme Rechte.
Der wird seit 2013 unter diesem Namen ausgerichtet und gilt als Nachfolger des WKR-Balls, der seit den 1950er-Jahren von schlagenden Korporationen veranstaltet wurde. Die Organisatoren betonen regelmäßig, man respektiere das Demonstrationsrecht, sofern die Kundgebungen friedlich bleiben.