Mit 1.000 Kerzen hat die österreichische Caritas am Donnerstagabend am Wiener Stephansplatz an den vierten Jahrestag des russischen Überfalls auf die Ukraine erinnert und ihre Solidarität mit Ukrainern zum Ausdruck gebracht.
"Die Situation in der Ukraine ist nach wie vor dramatisch und sie spitzt sich weiter zu", erklärte Caritasdirektor Klaus Schwertner. Auch Erzbischof Josef Grünwidl wandte sich an die Versammelten."Wir stehen heute hier, weil wir ein starkes und wichtiges Signal in die Ukraine schicken wollen. Diese Bilder erreichen schon jetzt über soziale Medien Menschen in der Ukraine, die Hoffnung dringend nötig haben", sagte Schwertner bei der Solidaritätskundgebung.
Er berichtete insbesondere über die aktuelle Situation im Land. So hätten die Kinder im Caritas-Kinderkrisenzentrum in Kiew in den letzten Wochen bei fünf bis sieben Grad indoor ausharren müssen. Man habe sie deshalb in die Westukraine evakuieren müssen und habe sie nun dank einer großzügigen Spende eines Generators zurückbringen. "Dies ist der Alltag der Menschen", betonte er. Der Caritasdirektor zeigte sich irritiert, dass sich "Lügen über diesen Krieg" auch zunehmend in Österreich und Europa verbreiten würden.
In Wien sei es derzeit vergleichsweise warm, in Kiew habe es derzeit jedoch minus 15 Grad, erzählte die ukrainische Parlamentsabgeordnete Jewhenija Krawtschuk, die von einem Treffen der OSZE-Parlamentarier in der Hofburg auf den Stephansplatz gefunden hatte. Russland habe mit terroristischen Angriffen zuletzt absichtlich die Wärmeversorgung zerstört, klagte sie. "Kälte wird ganz bewusst als Waffe eingesetzt", sagte Krawtschuk. Sie freute sich darüber, dass in Österreich ein Zeichen gesetzt werde, damit die Ukrainer ein normales Leben leben können. Die Abgeordnete der Selenskyj-Partei brachte aber auch ihre Hoffnung zum Ausdruck, dass viele derzeit im Ausland lebende Landsleute nach einem gerechten Frieden wieder in die Ukraine zurückkehren würden, um das Land wieder aufzubauen.
"Es gibt aber auch Ereignisse oder Erlebnisse, an die wir uns nie gewöhnen dürfen. Und da gehört für mich Gewalt, Ungerechtigkeit und auch Krieg dazu", erklärte seinerseits Erzbischof Grünwidl. Er habe als gläubiger Mensch die Hoffnung, dass das Gute stärker sei als das Böse und der Wille zum Frieden letztlich stärker sei als die zerstörerische Kraft des Krieges. Grünwidl betonte, dass jeder in dieser aktuellen Situation helfen könne. Auch mit einem kleinen Beitrag könne Not gelindert werden, sagte er mit Verweis auf die Ukraine-Aktivitäten der Caritas.
Die Caritas in Österreich hat nach eigenen Angaben zufolge seit Februar 2022 mehr als sechs Millionen Ukrainerinnen und Ukrainer mit Hilfe erreicht. Mit den zwei Caritas-Organisationen in der Ukraine hat man sich schwerpunktmäßig auf die Unterstützung von Kindern, unter anderem mit Kinderschutzräumen, sowie soziale Dienste konzentriert.