Wegen versuchten Mordes an ihrem Baby mussten sich am Montag die Eltern vor einem Wiener Schwurgericht verantworten.
Der Vater, der sich seit Mai in Untersuchungshaft befindet, soll das Kind so geschüttelt haben, dass es Hirnblutungen und Serienrippenbrüche erlitt. Die Mutter musste sich wegen Unterlassung verantworten, weil sie ihrem Kind nicht geholfen haben soll. Der wenig erhellende Prozess wurde am Nachmittag vertagt.
Bei ihrem Geschworenenprozess (Vorsitz: Christina Salzborn) bekannten sich beide Angeklagte als "nicht schuldig". Die Frau gab an, aus Angst vor ihrem Lebensgefährten geschwiegen zu haben bzw. sei ihr trotz ihrer Tätigkeit als Pflegehilfe nicht aufgefallen, wie schwer die Verletzungen des Babys gewesen waren. "Ich wollte doch nicht, dass mein Kind stirbt", sagte sie. Der Angeklagte wiederum beschuldigte seine ehemalige Lebensgefährtin, das Kind vier Mal geschüttelt zu haben.
Notoperation im Krankenhaus
Die beiden hatten das Kind wegen eines Krampfanfalls Ende Mai 2025 ins Krankenhaus gebracht. Medizinische Untersuchungen des zwei Monate alten Säuglings ergaben den Misshandlungsverdacht. Das Krankenhaus erstattete Anzeige. Die Ärztinnen und Ärzte stellten zahlreiche schwere Verletzungen fest. Fast alle Rippen des zwei Monate alten Säuglings waren gebrochen, dazu kamen Hirn- und Netzhautblutungen sowie eine lebensbedrohliche Schwellung des Gehirns durch Flüssigkeitsansammlung. Ohne Notoperation hätte es sterben können.
Erschwerend kam hinzu, dass die beiden bereits zwei Tage zuvor ein Spital aufgesucht hatten, da das Baby ohnmächtig geworden war. Im Spital wurden Symptome festgestellt, die auf ein Hirnödem hindeuteten. Die Ärztinnen und Ärzte empfahlen den Eltern dringend, das Kind stationär aufnehmen zu lassen, was diese aber letztlich verweigerten und das Krankenhaus verließen. Warum sie so gehandelt haben, blieb am Montag offen.
Auch wie es zu den schweren Verletzungen kam, die aus insgesamt zwei Vorfällen resultieren sollen, konnte bei dem Prozess nicht geklärt werden, da besonders der Hauptangeklagte im Laufe seiner bisherigen Einvernahmen mehrmals seine Version geändert hatte. Der Deutsche räumte lediglich ein, dass ihm das Kind einmal "vom Wickeltisch gefallen sei". Ein Schütteln bestritt er.
"Wusste nicht, was er für ein Monster ist"
Die Mutter wollte wiederum in zwei Fällen Schütteln durch den Deutschen gesehen haben, wobei dies nicht mit voller Wucht geschehen sei. Generell bestritt die Frau aber, mitbekommen zu haben, dass der Lebensgefährte gewalttätig gegenüber dem Kind gewesen sei. "Ich wusste nicht, was er für ein Monster ist", sagte sie.
Dass der Mann zu Gewalt neigt - der Gutachter empfahl sogar, ihn wegen einer dissoziativen Persönlichkeitsstörung in einem forensischen Zentrum unterbringen zu lassen -, musste die Frau allerdings schnell lernen. Nachdem sie ihn Anfang 2024 über eine Dating-App kennengelernt hatte, als der Deutsche noch im Gefängnis gewesen war, gab er ihr schon vier Wochen nach seiner Entlassung die erste Ohrfeige.
"Hatte Angst vor ihm"
Danach soll er die Kroatin seit Juli 2024 regelmäßig geschlagen und auch gewürgt haben. Während ihrer Schwangerschaft trat er ihr auch in den Bauch. Dass sich die Frau niemals Hilfe suchte, begründete sie damit, dass der Deutsche ihr ankündigte, "sie überall zu finden", und ihre Familie bedrohte. "Ich hatte Angst vor ihm", so die Kroatin.
Der Deutsche sprach wiederum von einer "toxischen Beziehung", bei der von beiden Seiten Gewalt ausging. Er räumte zwar ein, dass er die Frau geschlagen habe, dies sei aber stets bei aufgeschaukelten Konflikten und auch nicht regelmäßig gewesen. "Ich habe ja keine Lust daran", meinte er.
Da einige Zeugen am Montag aus Zeitgründen nicht mehr angehört werden konnten, wurde die Verhandlung auf 10. März vertagt. Hier ist dann auch mit einem Urteil zu rechnen.