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"Weltpremiere" steht in Wien bevor

Gestern, 13:53

Im Belvedere 21 in Wien-Landstraße startet am Freitag die Schau "Nicht daheim und doch zu Hause" mit Gouachen und Zeichnungen der Künstlerin Friedl Kubelka.

Sie ist seit Jahrzehnten primär für ihr fotografisches Werk bekannt. Dass Friedl Kubelka aber breiter aufgestellt ist, als viele glauben, wird in einer neuen Ausstellung im Belvedere 21 deutlich. Dort sind ab Freitag und bis 7. Juni 54 kleinformatige Gouachen und Zeichnungen der Künstlerin wie auch sieben Kurzfilme zu sehen. Es handle sich um eine "Weltpremiere", zeigte sich Belvedere-Generaldirektorin Stella Rollig am Mittwoch bei einer Presseführung in Wien erfreut.

Kuratorin: "Friedl Kubelka malt!"

"Friedl Kubelka malt!", hielt Kuratorin Stefanie Reisinger fest. Bisher seien nur einige wenige Blätter "herumgeschwirrt", erklärte sie. Eines davon - "Neuffers Zimmer" aus 1974 - hat das Belvedere vor Jahren ersteigert und ist somit laut Presseunterlagen das weltweit einzige Museum im Besitz einer Gouache der 1946 in London geborenen Künstlerin, die sich seit 2009 als Filmemacherin Friedl vom Gröller nennt.

Um die erste Schau in diesem Umfang mit Gouachen und Zeichnungen zu realisieren, habe es Einfühlungsvermögen und ein "tiefes Vertrauensverhältnis" zur Künstlerin gebraucht, sagte Rollig. Die teils sehr kleinen, detailreichen Arbeiten habe man im Untergeschoss des Hauses mit einer intimen Raumsituation zur Geltung bringen wollen - ähnlich zu ihrem Atelier im obersten Stock eines Gemeindebaus in der Gartengasse im 5. Wiener Gemeindebezirk. Dafür wurden die Dachschrägen in die Ausstellung integriert.

"Nicht daheim und doch zu Hause"

Die chronologisch angelegte Schau startet mit dem Werk "Nicht daheim und doch zu Hause" aus 1971, das in bunten Farben einen Suizid zeigt und zugleich den Titel für die Schau liefert. Gleich daneben findet sich mit "Liebespaar Mai" (1972) ein weit lebensbejahenderes Bild, und schon bald stößt man auf "Neuffers Zimmer", das auf den prägenden Austausch mit Hans Neuffer verweist, der Kubelka parallel zu ihren ersten fotografischen und filmischen Arbeiten zum Malen ermutigte.

Kubelka verstehe es, Räume aufzusplittern, Erzählungen, Träume, Wünsche und Krisen nebeneinander zu stellen und mit einer Prise schwarzem Humor auch immer wieder zu überraschen, meinte Reisinger. Klare stilistische Referenzen - von der Protorenaissance über Klimt, Kahlo und Hundertwasser - würden zudem auf ein breites Wissen zur Kunstgeschichte hindeuten.

Malen gebe Kubelka in einer Welt voller Absurditäten Halt, sagte Reisinger. Die Spontanität - sie setzt seit Beginn ihrer Tätigkeit auf ein kleines Malset und einen kleinen Block - lasse sie zudem ans Unbewusste andocken. Am besten verstehe man die Künstlerin aber, wenn man Malerei, Film und Fotografie zusammen denke, unterstrich Co-Kurator Dietmar Schwärzler. So rattern in einem zweiten, abgedunkelten Raum drei Projektoren, die in Summe sieben Kurzfilme von Friedl vom Gröller zeigen, in Schwarz-Weiß und ohne Ton.

Einer davon - "Secret Identities of a Psychoanalyst" - entführt in ihr Atelier, in dem sie 1990 die Schule für künstlerische Photographie sowie 2006 die Schule für unabhängigen Film gründete und als ausgebildete Psychotherapeutin und Gruppenanalytikerin mitunter Sitzungen abhielt. Der jüngste Film "Tod" stammt aus 2023 und zeigt die Künstlerin mit einer "Todesfratze", die sie sich vom Gesicht reißt und lacht. "Der Tod ist in ihrem Œuvre sehr präsent. Sie begreift ihn als Teil des Daseins und nimmt ihn auch mit Humor", so Schwärzler.

Begleitprogramm zur Schau

Ob durch die Ausstellung weitere Werke von Kubelka in die Sammlung des Belvedere übergehen, sei offen, wäre aber "wünschenswert", sagte Reisinger. Fest steht dagegen das Begleitprogramm zur Schau. So gibt es mehrere Screenings im Blickle Kino. Am 5. März (18 Uhr) wird gemeinsam mit Friedl vom Gröller das Ausstellungskonzept um ein Filmprogramm erweitert. Am Tag darauf (6. März, 18 Uhr) führt sie filmische Arbeiten vor, bei denen sie Anleihen für ihre eigenen Kurzfilme nimmt.

(APA/Red)

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