Das Bildungsministerium plant Pilotprojekte zur Verlängerung der Volksschule auf sechs Jahre. Die Regierung will Modellregionen für die Gemeinsame Schule der 10- bis 12- bzw. 14-Jährigen einführen. Wiens Bildungsstadträtin Emmerling hat Bereitschaft dazu signalisiert. Bildungsminister Wiederkehr unterstützt das Vorhaben.
Wien hat den Wunsch geäußert, eine Modellregion für eine sechsjährige Volksschule zu werden. "Den unterstütze ich auch, indem wir jetzt ein pädagogisches Konzept entwickeln." Wiederkehr brachte die Verlängerung der Volksschule in seiner Zeit als Wiener Bildungsstadtrat als Alternative zur herkömmlichen Gesamtschule bis 14 Jahre ins Gespräch, dementsprechend bezeichnete er am Dienstag am Rande einer Pressekonferenz dies als ein pädagogisch sinnvolles Modell.
Es sei gut für die Chancengerechtigkeit und die Entwicklung der Kinder, wenn sie länger in ihrem ersten Bildungsverband weiterlernen können. Außerdem sei es ein "anderer Ansatz", als eine Gesamtschule für alle verpflichtend umzusetzen. Die jahrzehntelange Diskussion zum Thema habe Österreich nicht vorangebracht. Derzeit müssen Kinder sich mit zehn Jahren zwischen Mittelschule und AHS-Unterstufe entscheiden, wobei das Gymnasium nur Schülerinnen und Schülern offensteht, die in Deutsch und Mathematik ein "Sehr Gut" oder "Gut" im Volksschulzeugnis haben. Im Ministerium werde nun überlegt, wie eine verlängerte Volksschule pädagogisch aussehen könnte, erklärte Wiederkehr. Es gehe etwa darum, was in diesen zwei zusätzlichen Volksschuljahren gemacht werden könnte und ob dort Klassenlehrkräfte wie in der Volksschule oder Fachlehrer wie in Mittelschule und AHS den Unterricht gestalten.
Eine Frage sei auch, in welchen Schulen und an welchen Standorten Wiens ein solcher Pilotversuch umgesetzt werden könnte. Wird an einem Standort die Volksschule von derzeit vier auf sechs Jahre verlängert, müssten auch weiterführende Schulen bei dem Pilotprojekt mitmachen, an die die Kinder danach problemlos wechseln können, räumte Wiederkehr ein. Auch Raumfragen müssen noch geklärt werden. Immerhin bräuchten teilnehmende Volksschulen dadurch mehr Klassenräume als bisher, während weiterführende Schulen zwei Jahrgänge weniger hätten. Für die Teilnahme am Pilotprojekt sollen Schulen sich freiwillig entscheiden können, betonte Wiederkehr. Erst nach dieser "Modellphase" sehe man, ob eine weitere Ausrollung sinnvoll sei. Er sei aber optimistisch, dass innerhalb der aktuellen, bis 2029 laufenden Regierungsperiode klar sein wird, wie eine sechsjährige Volksschule aussehen könnte.
Von der Lehrergewerkschaft wurde der Vorschlag reserviert aufgenommen. Die Idee einer Verlängerung der Volksschulzeit kursiere schon seit Jahrzehnten, so Pflichtschullehrervertreter Paul Kimberger (FCG) zur APA. Er habe allerdings noch nie ein Konzept gesehen, wie das pädagogisch und praktisch - etwa beim Schulraum - umgesetzt werden könnte. Grundsätzlich sei er dafür, an der sehr sensiblen Schnittstelle zwischen Volksschule und Sekundarstufe 1 etwas von dem Druck, der auf Kindern, Eltern und Lehrkräften lastet, herauszunehmen. "Aber ich verwehre mich dagegen, dass eine Organisationsdebatte pädagogische Probleme lösen soll. Das ist noch nie gelungen." Kimberger plädierte stattdessen für die ebenfalls schon länger diskutierte Möglichkeit, den Übergang zwischen den Schulen zu verbessern. Als Beispiel nannte er Potenzialanalysen, indem Lehrkräfte der weiterführenden Schulen bei der Frage einbezogen werden, in welche Schulform ein Kind mit zehn Jahren am besten wechseln sollte.