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Schwerpunktaktion zu Babynahrung in Österreich

Gestern, 11:59

Der Skandal um kontaminierte Babynahrung vergrößert sich. Zuletzt musste Danone am Donnerstag in Österreich über 90 Chargen von Aptamil und Milumil zurücknehmen.

In einer Aptamil-Probe wurde letzten Freitag eine schädliche Konzentration von Cereulid festgestellt. Seit Anfang der Woche hat das Gesundheitsministerium eine landesweite Schwerpunktaktion initiiert. Die Lebensmittelbehörden der Bundesländer entnehmen in allen österreichischen Regionen Proben. Diese werden dann im Labor der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) untersucht.

Bisher keine Krankheitsfälle durch Babynahrung in Österreich

Das Wiener Marktamt hat am Donnerstag mitgeteilt, dass erneut Produkte positiv auf Bacillus-Cereus-Toxin getestet wurden. Dies ist auf aktualisierte Empfehlungen zum Schwellenwert zurückzuführen. Ein Rückruf wurde veranlasst, und die betroffenen Waren dürfen vorerst nicht mehr verkauft oder verteilt werden. Der Hersteller Danone muss die Unbedenklichkeit der Produkte nachweisen, bevor sie wieder freigegeben werden können. Aptamil und Milumil bieten auf ihren Webseiten ein Rückruf-Tool an, mit dem Eltern mittels Mindesthaltbarkeitsdatum überprüfen können, ob ihr Produkt betroffen ist. Weitere nicht betroffene Chargen sind im Handel verfügbar. Auch in Deutschland verkaufte Chargen werden aus Gründen des Handels mit Österreich zurückgerufen.

In Österreich sind den Behörden bisher keine Krankheitsfälle bekannt, die auf den Konsum der betroffenen Produkte zurückzuführen sind. Sollten Eltern sich Sorgen um die Gesundheit ihres Kindes machen, empfehlen die heimischen Behörden, sich an die Kinderärztin oder ihren Kinderarzt zu wenden. Produkte der betroffenen Produktionschargen sollen nicht weiter gefüttert und dort zurückgegeben werden, wo diese gekauft wurden. Der Kaufpreis wird auch ohne Vorlage des Kassenbons erstattet.

Grenzwert für Babynahrung seit Montag

Am Montag hatte die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) Höchstwerte für das Toxin Cereulid in Milchpulver festgelegt. Zuvor gab es keinen Grenzwert. Die Überschreitung dieses Grenzwerts führte zum Rückruf am Donnerstag. Erste Produkte des Herstellers Nestlé waren in Österreich im Jänner zurückgerufen worden. Bereits damals gab es umfangreiche Tests, laut AGES gilt dafür nach wie vor, dass es bei den positiv getesteten Produkten keine gesundheitlichen Bedenken gibt.

In einer aktuellen Probe von vergangener Woche wurde jedoch eine Cereulid -Konzentration nachgewiesen, die geeignet ist, die Gesundheit zu schädigen, informierte die AGES. Dort wurde eine Cereulid-Konzentration festgestellt, die lebensmittelrechtlich als gesundheitsschädlich beurteilt werden muss, da der EFSA-Grenzwert gleich mehrfach überschritten wurde. Diese vier Aptamil-Chargen wurden am Samstag zurückgerufen.

In der aktuellen Risikobewertung der EFSA wurde aufgrund wissenschaftlicher Grundlagen am Montag erstmals eine sogenannte Akute Tagesdosis (ARfD) festgelegt. Die Wissenschafter schlugen eine akute zulässige ARfD von 0,014 Mikrogramm je Kilogramm Körpergewicht für Cereulid bei Säuglingen vor. Eine Konzentration von mehr als 0,054 Mikrogramm Cereulid pro Liter in Säuglingsmilch oder von mehr als 0,1 Mikrogramm pro Liter in Folgemilch könne somit "zu einer Überschreitung der Sicherheitswerte führen".

Hipp setzt bei Babynahrung auf europäischen Hersteller

Das bakterielle Toxin Cereulid kann für Säuglinge besonders gefährlich sein. Es handelt sich um ein hitzestabiles Gift, das kurz nach der Aufnahme Erbrechen und Durchfall auslösen kann. Die Symptome treten in der Regel zwischen 30 Minuten und sechs Stunden nach dem Verzehr auf. Die Gefahr liegt vor allem darin, dass gängige Erhitzungsverfahren in der Lebensmittelproduktion das Toxin nicht zuverlässig zerstören. Hintergrund der bisherigen Rückrufe ist ein in den Milchpulvern als Zutat verwendetes und verschmutztes Öl eines Zulieferers aus China. Dieser ist einer von weltweit wenigen Lieferanten von Arachidonsäure (ARA), einer in Europa streng regulierten Substanz, die als Quelle für Omega-6-Fettsäuren in bestimmten Säuglingsmilchprodukten enthalten ist. Wie das "Ö1"-Mittagsjournal am Freitag berichtet, gibt es Alternativen zum chinesischen Hersteller. So gibt es auch in Europa einen Produzenten von ARA-Öl. Darauf setzt beispielsweise der deutsche Babynahrung-Hersteller Hipp.

Auch Nestle hat nach seinen Rückrufen mehrerer Chargen der Säuglingsnahrungs-Marken Beba und Alfamino im Jänner "den Bezug von ARA-Öl von dem betroffenen Lieferanten eingestellt und umgehend auf einen europäischen Lieferanten umgestellt", hieß es in einer Stellungnahme gegenüber der APA. "Alle Chargen der Öl-Zutat von unseren anderen Lieferanten werden nun systematisch getestet, um die Abwesenheit von Cereulid zu bestätigen. Die Produktion der betroffenen Marken wurde in all unseren Säuglingsmilchfabriken in Europa wieder aufgenommen, und wir sind überzeugt von der Gesundheit und Sicherheit unserer Produkte", betonte Nestle Österreich. Es würden weiterhin umfangreiche Tests durchgeführt. Laut dem Unternehmen sind "alle unsere Produkte auf dem Markt sicher zum Verzehr".

Pre-Nahrung bzw. Säuglingsanfangsnahrung unterliegt in der EU strengen gesetzlichen Regelungen, die eine sichere, nährstoffangepasste Zusammensetzung als Muttermilchersatz garantieren. Sie ist der Muttermilch in der Zusammensetzung am ähnlichsten. Dafür gibt es unter anderem auch ein Werbeverbot. Folgenahrungen sind für Säuglinge ab Einführung der Beikost bestimmt und kein Ersatz von Muttermilch während der ersten sechs Lebensmonate. Diesen Produkten dürfen weitere Inhaltsstoffe zugesetzt werden. Der Zusatz von ARA ist in Säuglingsanfangsnahrung nicht verpflichtend, wird aber von Experten empfohlen.

Infos über betroffene Babynahrung-Produkte

Auf den Webseiten www.aptaclub.at und www.milupa.at können Eltern feststellen, ob ihr Produkt betroffen ist. Betroffene Produkte sind aufgelistet. Gesundheitsgefährdende zurückgerufene Produkte finden sich .

(APA/Red)

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