Der Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund in Österreich ist angestiegen, über ein Viertel der Schüler spricht eine andere Alltagssprache als Deutsch. Diese Zunahme betrifft Schulen unterschiedlich stark. Die Ergebnisse der Bildungsstandardtestungen haben sich entgegen öffentlicher Debatten seit den 2010er Jahren sogar verbessert.
Der Anteil der Schüler mit nicht-deutscher Erstsprache an Volksschulen stieg laut Bericht des Instituts für Qualitätssicherung von 201 bis 2019 jährlich um 0,6 Prozentpunkte. Diese Zunahme wird als gering eingestuft. Seit 2015 könnten die Zahlen durch Migration und seit 2022 durch Flüchtlinge aus der Ukraine weiter gestiegen sein.
Größeres Plus an Schulen in den Städten
Weil Migration vor allem die Städte betrifft, war in den 2010ern der Zuwachs an Schülern mit nicht-deutscher Muttersprache je nach Standort recht unterschiedlich - und war es wohl auch in der Zeit danach. So ging entgegen dem Gesamttrend an jeder sechsten Schule der Anteil der Schüler mit einer anderen Erstsprache als Deutsch sogar zurück. Gleichzeitig war das Plus an jeder siebenten Schule mit 1,2 bis 1,8 Punkten deutlich überdurchschnittlich - vor allem dort, wo es schon bei der Bildungsstandard-Ausgangsmessung 2010 viele Kinder mit ausländischen Wurzeln gab, in städtischen Volks- und Mittelschulen und an Mittelschulen in mittel besiedelten Gegenden. "Die Schere in der ethnischen Zusammensetzung zwischen den Schulen" sei also weiter aufgegangen, heißt es dazu in der Studie.
Gestiegenes Niveau an Österreichs Schulen
Das Niveau an Österreichs Schulen ist durch den höheren Migrantenanteil entgegen öffentlicher Debatten zumindest in den 2010er-Jahren nicht gesunken. Bei den damaligen Bildungsstandardtestungen bei den Neun- bzw. 13-Jährigen zeigte die Leistungskurve bei den mittleren Kompetenzen in allen Bereichen (Deutsch und Mathe, bei den Älteren auch Englisch) für alle Schülergruppen kontinuierlich nach oben - auch wenn die Ergebnisse in Wien und anderen Städten wegen der Ballung an Kindern mit anderer Erstsprache und Eltern mit geringer Bildung, die guten Unterricht schwieriger macht, insgesamt tendenziell unterdurchschnittlich ausgefallen sind. Wie sich die Schülerleistungen in jüngster Zeit entwickelt haben, wird der in den nächsten Monaten erwartete Ergebnisbericht zur individuellen Kompetenzmessung PLUS (iKMPLUS) - dem adaptierten Nachfolge-Modell der Bildungsstandarderhebungen - zeigen. Darin ist die Entwicklung der Jahre 2023 bis 2025 nachzulesen.
Maßnahmen könnten Durchmischung an Schulen verbessern
Um Segregation und ihre negativen Auswirkungen zu verringern, würden die Studienautoren vor allem auf die städtische Wohnpolitik setzen. Schließlich gilt die Segregation des Wohnraums als einer der Hauptfaktoren für soziale und ethnische Unterschiede zwischen den Schulen.
Auch "kompensatorische Maßnahmen" wie mehr Geld für Schulen mit großen Herausforderungen könnten laut dem Bericht ein Hebel für eine bessere Durchmischung sein. In diese Richtung deuten auch Detailergebnisse der Studie zum Zusammenhang von Leistung und sozialer bzw. ethnischer Zusammensetzung der Schülerschaft: Demnach ist an Standorten mit besonders vielen Kindern mit Förderbedarf, die bei den Bildungsstandardtestungen trotzdem überdurchschnittliche Ergebnisse erreicht haben, über die Jahre der Anteil an Kindern ohne Migrationshintergrund und mit beruflich erfolgreichen Eltern gestiegen. Und das verbessert wiederum die Lernbedingungen am Standort tendenziell für alle.
In Österreich werden im Herbst ebensolche "kompensatorischen Maßnahmen" im größeren Stil starten: Mit dem sogenannten "Chancenbonus" soll es mehr Personal für 400 Brennpunktschulen geben, an denen viele Kinder im Alltag nicht Deutsch sprechen bzw. deren Eltern nicht in Österreich geboren wurden, maximal die Pflichtschule abgeschlossen haben, wenig verdienen oder arbeitslos sind.