In Österreich gibt es laut einer Befragung des VCÖ zu wenig Maßnahmen zur Vermeidung und Reduzierung von Verkehr. Der Ausbau des Öffentlichen Verkehrs und gezielte Raumplanung sind dabei die effektivsten Mittel, so 435 Expertinnen und Experten in der Befragung. Die Hauptverantwortung liegt laut Fachleuten bei der Politik.
"Zu viel Autoverkehr macht niemandem eine Freude: Anrainerinnen und Anrainer werden durch Abgase und Lärm belastet, Autofahrerinnen und Autofahrer stehen öfter im Stau und die Umwelt wird stärker verschmutzt. Umgekehrt profitieren viele, wenn es gelingt, den Verkehr zu verringern. Die Luft wird sauberer und gesünder, weniger Lärm bringt mehr Lebensqualität und bei weniger Staus kommen jene, die aufs Auto angewiesen sind, schneller ans Ziel", sagt Verkehrsclub Österreich-Expertin Katharina Jaschinsky.
Laut Fachleuten in Österreich werden zu wenige Maßnahmen zur Verkehrsvermeidung getroffen, obwohl diese zahlreiche Vorteile bieten würden. Die größten Vorteile sehen sie in der Reduktion von Schadstoffen, Lärm und CO2-Emissionen sowie der Attraktivierung von Ortskernen und der Senkung des Energieverbrauchs. Die Befragung zeigt, dass das größte Potenzial bei regelmäßig zurückgelegten Wegen liegt, besonders bei Arbeits-, Schul- und Ausbildungswegen. Auch bei dienstlichen Fahrten und Freizeitverkehr sieht die Mehrheit großes Potenzial zur Verkehrsreduktion. Hol- und Bringdienste sowie Einkaufsfahrten bieten laut Fachleuten das geringste Potenzial.
Ein breiter Konsens besteht über den Ausbau des Öffentlichen Verkehrs als effektivste Maßnahme zur Reduktion des Autoverkehrs. 82 Prozent sehen im Öffi-Ausbau sehr großes Potenzial, weitere 15 Prozent eher großes. 75 Prozent der Fachpersonen erkennen ein sehr großes Potenzial im Ausbau der Infrastruktur für Gehen und Radfahren. 72 Prozent sehen ein großes Potenzial in einer Raumplanung mit kurzen Wegen. Zwei Drittel der Fachleute erwarten weniger Autoverkehr durch bessere Nahversorgung und Reformen bei der Umwidmung von Grünland sowie der Stellplatzverordnung.
Der VCÖ hat auch gefragt, woran derzeit Maßnahmen zur Verkehrsvermeidung scheitern. 70 Prozent sehen fehlenden politischen Willen und unzureichende gesetzliche Rahmenbedingungen als sehr großes Hindernis für Verkehrsvermeidung, 57 Prozent den Widerstand wirtschaftlicher Interessen und 56 Prozent die Umsetzung kontraproduktiver Maßnahmen, die zu mehr Verkehr führen. Dazu zählen unter anderem der Bau neuer Autobahnen, Zersiedelung und klimaschädliche Förderungen, wie die Steuerbegünstigung für Diesel und für die private Nutzung von Dienstwagen. Die Hauptverantwortung, Maßnahmen zu setzen, sehen die Fachleute bei der Politik. Bei der Bundespolitik sehen 78 Prozent der Expertinnen und Experten sehr hohe Verantwortung, bei Städten und Gemeinden 76 Prozent und bei den Bundesländern 74 Prozent. Am geringsten wird die Verantwortung bei Freizeiteinrichtungen gesehen.