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Bio oder nicht? Aufregung um Wiener Weingut Cobenzl

22-01-2026, 09:54

Das Wiener Weingut Cobenzl steht wegen seiner angeblich irreführenden Bio-Weine unter scharfer Kritik, nachdem Recherchen aufdeckten, dass ein erheblicher Teil der Weinproduktion offenbar nicht biologisch bewirtschaftet wird.

Das Wiener Weingut Cobenzl ist eines der renommiertesten Weingüter der Stadt und war stolz darauf, vor zwei Jahren die Umstellung auf Bio-Weine bekanntzugeben. Doch wie der ORF berichtet, gibt es nun ernsthafte Zweifel an dieser Behauptung.

Chemische Bearbeitung in erheblichem Umfang

Laut Recherchen des "Kuriers" wurden von den insgesamt 60 Hektar Weinbergen des Weinguts Cobenzl 30 Hektar mit chemischen Hilfsmitteln bearbeitet. Die zuständige MA 49 bestätigte, dass im Jahr 2024 aus betriebsstrategischen Gründen etwa 30 Hektar am Bisamberg auf konventionelle Weise bewirtschaftet werden. Es wird jedoch betont, dass diese Rebflächen sich auf dem Weg zur Umstellung auf biologische Landwirtschaft befinden.

Finanzielle Folgen und Imageschaden für Weingut Cobenzl

Der Imageschaden für das Weingut ist bereits gravierend. Der "Kurier" meldet, dass die finanziellen Einbußen für das Weingut Cobenzl auf rund eine Million Euro geschätzt werden. Dies liegt daran, dass Bio-Wein in der Regel zu höheren Preisen verkauft wird. Für die Wiedererlangung des Bio-Gütesiegels sind jedoch gesetzlich drei Jahre erforderlich, sodass dieses erst im Jahr 2028 wieder erlangt werden kann.

Es stellt sich auch die Frage, ob die Konsumenten getäuscht wurden. So entdeckte der "Kurier" einen sogenannten 2024er Bio-Wein des Weinguts Cobenzl im Handel, der so gar nicht existieren dürfte. Die MA 49 wies jedoch Vorwürfe des Etikettenschwindels zurück und erklärte, dass die Weine aus konventioneller Landwirtschaft nicht als Bio-Weine verkauft worden seien. "Die kurzfriste Umstellung eines Teils der Rebflächen, nämlich jene am Bisamberg, wurden weder verheimlicht noch missbräuchlich kommuniziert. Im Rahmen einer standardmäßigen strengen Qualitätskontrolle war für die MA 49 der Einsatz chemischen Düngers nicht auszuschließen, was sogleich formal richtig der Landwirtschaftskammer Wien sowie der BIO-Zertifizierungsstelle gemeldet wurde. Damit konnte rechtzeitig sichergestellt werden, dass weder Wein falsch bezeichnet bzw. etikettiert noch als BIO-Wein in den Handel gebracht wurde", hieß es in einer Stellungnahme.

FPÖ fordert Aufklärung von Weinskandal

Die Wiener FPÖ bezeichnet den Vorfall als beispiellosen Weinskandal und fordert eine umfassende Aufklärung. Der Umweltsprecher Michael Stumpf äußerte: "Das ist nicht nur unglaublich, sondern auch beschämend für den Wiener Weinbau und ein Schlag ins Gesicht der Konsumenten."

(Red)

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