Mehr als jede zweite erwerbstätige Person in Österreich ist mit dem eigenen Gehalt unzufrieden. Das zeigt die aktuelle Stepstone-Gehaltsbefragung 2026. Demnach fühlen sich 55 Prozent der Beschäftigten unterbezahlt – elf Prozent deutlich, weitere 43 Prozent eher. Der subjektiv eingeschätzte faire Marktwert liegt im Median 16 Prozent über dem tatsächlich bezahlten Gehalt.
Besonders betroffen sind jüngere Arbeitnehmende: Nur vier von zehn unter 30-Jährigen geben an, mit ihrem Einkommen für Wohneigentum sparen zu können. Die Ergebnisse werfen ein Schlaglicht auf die anhaltende Debatte rund um Gehaltsgerechtigkeit, Kaufkraft und Arbeitszufriedenheit in Österreich.
Gehaltslücke: Wahrnehmung und Realität klaffen auseinander
Laut Befragung liegt das aktuelle Brutto-Mediangehalt von Vollzeitbeschäftigten in Österreich bei 45.000 Euro pro Jahr. Der als fair empfundene Marktwert wird hingegen mit 52.000 Euro brutto angegeben. Diese Differenz von 16 Prozent verdeutlicht die verbreitete Unzufriedenheit mit der eigenen Entlohnung.
Auch nach Geschlecht zeigen sich Unterschiede: Frauen geben ein aktuelles Bruttomediangehalt von 40.000 Euro an, schätzen ihren fairen Marktwert jedoch bei 50.000 Euro – eine Abweichung von 25 Prozent. Männer liegen mit 49.000 Euro aktuell und einem geschätzten Marktwert von 60.000 Euro bei einer Differenz von 22 Prozent.
Geringverdienende besonders unzufrieden
Am größten ist die Diskrepanz bei niedrigen Einkommen. Geringverdienende beziehen laut Umfrage aktuell rund 25.000 Euro brutto, schätzen ihren fairen Marktwert jedoch um 40 Prozent höher ein. Bei Bestverdienenden fällt die Lücke geringer aus: Sie verdienen im Median 70.122 Euro und sehen ihren Marktwert bei rund 80.000 Euro.
Das Fazit der Studie: Je niedriger das Einkommen, desto größer die empfundene Gehaltslücke – und damit auch der Handlungsbedarf.
Wechselbereitschaft am Arbeitsmarkt steigt
Die Unzufriedenheit mit dem Gehalt wirkt sich zunehmend auf das Verhalten am Arbeitsmarkt aus. Laut Stepstone denken 43 Prozent der Angestellten mehrmals pro Woche über einen Jobwechsel nach und planen, sich 2026 beruflich neu zu orientieren.
Die wichtigsten Gründe für einen Wechsel sind:
- besseres Gehalt (60 Prozent),
- flexiblere Arbeitsmodelle (33 Prozent),
- höhere Jobsicherheit (25 Prozent).
Parallel dazu ist auch die Aktivität am Stellenmarkt gestiegen. Die wöchentlichen Suchanfragen auf stepstone.at lagen im Jänner um 55 Prozent höher als Ende 2025. Trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten zeigt sich der österreichische Arbeitsmarkt damit vergleichsweise stabil.
Transparenz als Schlüssel zur Gehaltszufriedenheit
Ein zentrales Ergebnis der Befragung: Die Gehaltszufriedenheit hängt stark von der wahrgenommenen Fairness ab. Fehlende Vergleichsmöglichkeiten und mangelnde Transparenz verstärken das Gefühl, unterbezahlt zu sein. Für Unternehmen gewinnt das Thema damit weiter an Bedeutung – auch vor dem Hintergrund der EU-Entgelttransparenzrichtlinie, die ab Juni 2026 neue Verpflichtungen bringt.
Zur Studie
Für die Stepstone-Gehaltsbefragung 2026 wurden zwischen November 2025 und Jänner 2026 insgesamt 1.088 Bewerbende und 529 Recruitende befragt. Die Stichprobe der Erwerbstätigen ist nach Alter und Geschlecht repräsentativ für die österreichische Erwerbsbevölkerung. Ergänzend flossen Daten aus dem Hiring Trends Update ein, das die Wechselbereitschaft und Stimmung am Arbeitsmarkt analysiert.