Die Wiener Ärztekammer verlangt ein Vorsorgeprogramm für Kinder und Jugendliche von sechs bis 18 Jahren. Nach den Eltern-Kind-Pass-Untersuchungen fehlen diese Altersgruppen im Vorsorgeplan, erklärte Vizepräsidentin Naghme Kamaleyan-Schmied bei einer Pressekonferenz.
Ein Screening-Programm für Kinder und Jugendliche könnte sich am "Gesundheits-Check Junior" der SVS ausrichten. Generell bestehe bei der Vorsorge noch deutlicher Verbesserungsbedarf, so die Vizepräsidentin der Wiener Ärztekammer, Kamaleyan-Schmied, ebenfalls Vorsitzende der Kurie niedergelassene Ärzte. Sie sprach sich beispielsweise für ein strukturiertes Prostatakrebs-Screening aus, bei dem Männer ab 50 Jahren gezielt eingeladen werden.
Zudem brauche es eine Ausweitung des Impfprogramms für Schwangere, Maßnahmen für mehr Gesundheitskompetenz in der Bevölkerung und die Aufnahme der Bestimmung des Eisenstatus und des Schilddrüsenwerts TSH in den Vorsorgekatalog für Frauen. In den Ordinationen würden u.a. kostenlose Influenza- und Coronatests fehlen - damit könne man Menschen "auffangen", bevor sie schwerwiegender erkranken und andere anstecken. Steinhart und Eduardo Maldonado-González, Ärztekammer-Wien-Vizepräsident und Obmann der Kurie angestellte Ärzte, beklagten indes eine überhandnehmende Bürokratisierung im Ärzteberuf. Bei der ab Juli verpflichtenden Diagnosecodierung sei man damit beschäftigt, Kinderkrankheiten zu beheben, sagte Steinhart. Für Ärzte bedeute die Diagnosecodierung mehr Zeit vor dem PC, während gleichzeitig über einen Ärztemangel gesprochen werde. Am Bildschirm zu codieren sei "nicht die Aufgabe eines Mediziners", pochte auch Maldonado-González. Steinhart forderte einen "Entbürokratisierungsgipfel" mit Vertretern von Ärzteschaft, Sozialversicherungen, Spitalsorganisationen und der Politik, um Maßnahmen für einen Bürokratieabbau zu definieren. Zudem soll die Ärzteschaft in die Zielsteuerungskommissionen auf Landes- und Bundesebene einbezogen werden.
Um den Mangel an Kassenärzten und -ärztinnen zu beheben, brauche es keine "Zwangsmaßnahmen", sondern Motivation, sagte der Ärztekammer-Präsident. Einen Fokus will er außerdem auf Frauen in der Medizin legen, etwa durch flexiblere Arbeits- und Ausbildungsbedingungen. Maldonado-González forderte eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen in Wiener Spitälern. Es brauche fixe Ausbildungszeiten im Dienstplan von mindestens 20 Prozent, während dieser sollten keine Routinetätigkeiten übernommen werden müssen. Wien hinke außerdem bei den Gehältern hinterher. Auf die Debatte rund um Gastpatienten aus anderen Bundesländern angesprochen, betonte Steinhart, die Politik sei gefordert, sich zu einigen. "Wir behandeln jeden Patienten", egal welche Postleitzahl, meinte indes Maldonado-González, der in der Klinik Donaustadt tätig ist.