Angesichts fehlender staatlicher Unterkünften für neu ankommende Geflüchtete aus der Ukraine bereiten sich Pfarren in Wien darauf vor, Flüchtlinge aufzunehmen, allerdings nur als vorübergehende Notlösung. Der Hintergrund ist ein Konflikt zwischen dem Bund und den Ländern über die Zuständigkeiten und die Finanzierung der Erstversorgung. Deshalb plant die Wiener Caritas für den Ernstfall zusammen mit den Pfarren provisorische Notunterkünfte, wie "Kathpress" am Mittwoch berichtete.
Seit Anfang Jänner erfolgen im letzten bundesweiten Ankunftszentrum für Ukraine-Vertriebene in Wien keine Neuaufnahmen mehr - mit Ausnahme besonders schutzbedürftiger Personen und nur solange es noch freie Plätze gibt. Ende Februar soll die Einrichtung ganz schließen. "Im Kern geht es darum, Vorhaltekapazitäten in unterschiedlichen Pfarren zu schaffen. Wir bereiten uns auf eine Situation vor, von der wir hoffen, dass sie nicht eintritt", erklärte Katharina Renner, Leiterin des Bereichs Pfarrcaritas und Ukraine-Hilfe gegenüber "Kathpress".
Die kirchlichen Notquartiere sind vorerst bis Mitte Februar ausgelegt. Wie viele Menschen tatsächlich kommen werden, sei aber unklar, so Renner. Noch gehe die Caritas davon aus, dass die Verantwortlichen im Bund und in den Ländern "die Notsituation erkennen und entsprechend handeln". Es sei eine staatliche Aufgabe sicherzustellen, dass Vertriebene aus der Ukraine in Österreich nicht auf der Straße stehen.
Anstelle eines "Kompetenzgerangels" zwischen Bund und Ländern wünscht sich die Caritas, dass sich die Länder und das Innenministerium in dieser Frage einigen und die Versorgung von Ukraine-Vertriebenen sicherstellen. Dieser "sinnbefreite Konflikt" dürfe nicht länger auf dem Rücken von Menschen ausgetragen werden, hatte Caritas-Direktor Klaus Schwertner bereits zuvor in einem "Kathpress"-Interview.
Den Auftakt macht am 19. Jänner die Pfarre Franz von Sales in Wien-Döbling, deren großer Festsaal als Quartier für 20 bis 30 Menschen dienen könnte. Von 30. Jänner bis 9. Februar hat sich das Grätzlzentrum Fried Krim der Pfarre Franz von Sales bereit erklärt, ein provisorisches Notquartier zur Verfügung zu stellen. Was danach komme, sei unklar, so Renner.