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Weitere Urteile in Prozess um Bandenkrieg in Wien-Meidling

9-01-2026, 14:24

Am Wiener Landesgericht wurde der Prozess wegen eines gewalttätigen Angriffs auf arabisch aussehende Männer fortgesetzt, bei dem am 7. Juli 2024 am Bahnhof Meidling fünf Personen verletzt wurden.

Acht von 24 Angeklagten mit tschetschenischen Wurzeln erhielten zuvor Bewährungsstrafen. Nun wurden acht weitere junge Männer im Alter von 18 bis 20 Jahren verhandelt, von denen sechs schuldig gesprochen wurden. Zwei Angeklagte gaben zu, an Gewalt und schweren Körperverletzungen beteiligt gewesen zu sein, während zwei andere bestritten, am Tatort gewesen zu sein. Nächste Woche wird der Prozess gegen die beiden leugnenden Angeklagten und die acht Hauptverantwortlichen fortgesetzt.

Sechs Monate unbedingt für Luca K. in Prozess um Bandenkrieg in Wien-Meidling

Unter denen, die am zweiten Verhandlungstag vernommen und erstinstanzlich erledigt wurden, war Luca K. Der inzwischen 18-Jährige erhielt eine Zusatzstrafe von sechs Monaten unbedingt. Er befindet sich seit 7. August 2024 in Haft - er wurde damals im Zusammenhang mit einem mutmaßlich verhinderten Terror-Anschlag auf ein Taylor Swift-Konzert im Wiener Ernst-Happel-Stadion festgenommen und galt zunächst als Komplize von Beran A. (20), gegen den die Staatsanwaltschaft Wien im Zusammenhang mit den Anschlagsplänen ermittelt. Eine Beteiligung des Jüngeren an diesen ließ sich nicht nachweisen. Luca K. wurde allerdings im vergangenen Juli in Wiener Neustadt wegen terroristischer Vereinigung und krimineller Organisation zu zwei Jahren unbedingter Haft verurteilt. Er hatte Propagandamaterial der radikalislamischen Terror-Miliz "Islamischer Staat" (IS) verbreitet und dem Wien-Attentäter gehuldigt, der am 2. November 2020 in der Wiener Innenstadt vier Menschen getötet hatte. Das Wiener Neustädter Urteil ist seit Mitte Dezember rechtskräftig. Bei der nunmehrigen Verurteilung wurde auf die zweijährige Freiheitsstrafe Bedacht genommen, sodass Luca K. insgesamt zweieinhalb Jahre verbüßen muss. Er war damit einverstanden. Der Staatsanwalt gab allerdings keine Erklärung ab. Das Urteil ist damit nicht rechtskräftig.

Prozess um Bandenkrieg in Wien-Meidling: Teilbedingte Haft für weiteren 18-Jährigen

Von den fünf weiteren ebenfalls nicht rechtskräftig Verurteilten erhielten drei 20-Jährige jeweils zwei Jahre bedingt. Ein 18-Jähriger bekam sechs Monate bedingt. Die vier hatten einen psychischen Tatbeitrag geleistet, indem sie sich in die Horde einordneten, die gegen die Opfer mit Gewalt vorging. Ein weiterer 18-Jähriger erhielt 15 Monate Haft, davon drei Monate unbedingt. Er hatte ein Opfer mit Faustschlägen und einem Fußtritt traktiert, nachdem ihn ein älterer Tschetschene dazu aufgefordert hatte, wie er dem Gericht darlegte: "Als Tschetschene habe ich einfach ihm gehorcht. Das gehört sich so in unserer Kultur." Beim Zuschlagen habe er "einen hohen Adrenalinschuss" verspürt, was er mittlerweile bedaure. "Ich möchte mein Bild von Männlichkeit untoxisch machen", sagte der 18-Jährige. Er habe sich daher freiwillig in psychotherapeutische Behandlung begeben und erkannt, "dass das falsch war, was ich damals gemacht habe. Heute würde ich mich raushalten".

Luca K. in Prozess um Bandenkrieg in Wien-Meidling umfassend geständig

Luca K. war im Grauen Haus umfassend geständig, sich in erster Linie als "Kameramann" am teilweise mit Waffen ausgetragenen, ethnisch motivierten Konflikt zwischen gebürtigen Tschetschenen auf der einen und arabischstämmigen Männern auf der anderen Seite beteiligt zu haben, der in den inkriminierten gewalttätigen Szenen am Bahnhof Meidling gipfelte. Er habe mit Videos vom Tatgeschehen einen Beitrag zur gemeinschaftlichen Gewalt und zur absichtlichen schweren Körperverletzung geleistet, räumte er ein. Er habe damals über Instagram von einer "Konferenz" erfahren, zu der der Hauptangeklagte Abu Bakar D. (25) aufgerufen hatte, um das weitere Vorgehen gegen verfeindete Syrer zu erörtern. Abu Bakar D. vor zehn bis 15 jungen Tschetschenen "referiert" und beschlossen, dass am selben Abend Syrer in Meidling angegriffen werden sollten. "Er war der Anführer", betonte Luca K. Er sei mit nach Meidling gefahren und habe "geahnt, dass es zu einer Schlägerei kommen wird".

30 bis 35 junge Männer machten bei Bandenkrieg Jagd auf Opfer

30 bis 35 junge Männer hätten sich am Schedfikaplatz versammelt, Abu Bakar D. habe diese in Gruppen eingeteilt und dann sei man mit Fäusten, Schlagringen, Messern und einem Hammer gegen vermeintliche Syrer vorgegangen, schilderte Luca K. In Wahrheit handelte es sich allerdings um Afghanen, auf die regelrecht Jagd gemacht wurde und die in Bahnhofsnähe brutal zusammengeschlagen wurden. Ein Opfer wurde schwer verletzt, der Betroffene erlitt einen Schädelbruch. Ein weiterer Mann trug eine Stichverletzung nahe am Herzen davon, mit der laut einem gerichtsmedizinischen Gutachten aber keine Lebensgefahr verbunden war.

Vorangegangen war ein mehrmonatiger "Bandenkrieg" zwischen jungen Tschetschenen und Syrern, der die Wiener Polizei 2024 intensiv beschäftigte. Die Tschetschenen unterstellten Syrern Übergriffe auf Landsleute, seit dem Frühjahr 2024 war es mehrfach zu schweren Ausschreitungen mit Schwerverletzten auf beiden Seiten gekommen. Es wurden Telegram-Accounts eingerichtet, die sich gegen sogenannte "505er" bzw. "515er" richteten, was sich auf Postleitzahlen in bestimmten Gebieten Syriens bezog. In den Kanälen "Aktion T5" und "Aktion T5 Chat" wurde Stimmung gegen die Syrer gemacht und es wurden Gewaltaufrufe lanciert. Schlüsselfigur war Abu Bakar D., der sich auf seinem Instagram-Account "stellvertreter_1" nannte und laut Anklage als Repräsentant der tschetschenischen Community in Wien gerierte. Gegen den Hauptangeklagten wird am kommenden Dienstag verhandelt.

"Wollte einfach sehen, was passiert"

"Ich wollte einfach sehen, was passiert", versuchte Luca K. zu erklären, warum er dem Aufruf von Abu Bakar D. gefolgt war. Er selber sei dann zwar nicht gewalttätig geworden, "aber ich war so naiv und habe das erste Opfer gefilmt, wie es am Boden lag". In weiterer Folge habe er mit seinem Handy auch weitere Verletzte gefilmt und das Geschehen dokumentiert. Mit all dem und auch dem IS habe er mittlerweile abgeschlossen, versicherte Luca K. dem Gericht. Er sei im Gefängnis Vater einer Tochter geworden und wolle nach seiner Enthaftung "eine Lehre abschließen, den Führerschein machen und mich um meine Familie kümmern. Ich will ein ruhiges Leben. Ich habe eingesehen, dass das alles ein Fehler war".

(APA/Red)

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