Die Volksanwaltschaft hat Missstände im Jugendgefängnis Münnichplatz in Wien bestätigt. Volksanwältin Gabriela Schwarz sprach nach einer amtswegigen Prüfung von einer "verpassten Chance" und kritisierte das Projektmanagement scharf.
Die Justizanstalt Münnichplatz war im Jänner 2025 bei laufenden Bauarbeiten eröffnet worden. Schwarz bezeichnete dies als "schlechtes Projektmanagement": "Es war nicht in Ordnung, jugendliche Insassen auf einer Baustelle mit zu wenig Personal anzusiedeln." Nach Ansicht der Volksanwaltschaft widersprechen die aktuellen Bedingungen den Standards eines modernen Jugendstrafvollzugs.
Da es im Gefängnis bis heute keine Besucherzone gibt, können Jugendliche nur einmal pro Woche Angehörige sehen. Zudem werden Zellen wegen Personalmangels bereits am Nachmittag verschlossen. Schwarz sprach von einem "großen Risikofaktor" durch fehlendes Fachpersonal und Justizwachebeamte.
Im Zuge der Prüfung bestätigte die Volksanwaltschaft mehrere Vorfälle, darunter Raufereien zwischen Insassen und sogenannte "Zaunparties", bei denen Jugendliche von außen Kontakt zu Häftlingen aufnahmen. In zwei Fällen wurden Zäune überklettert. Nachträglich wurden bauliche Maßnahmen wie eine blickdichte Hecke und versetzte Zäune umgesetzt. Schwarz betonte jedoch: "Diese Maßnahmen wären schon vor der Inbetriebnahme notwendig gewesen."
Laut Volksanwaltschaft sind derzeit 16 Jugendliche inhaftiert, betreut von rund 30 Exekutivbediensteten. Für den Vollbetrieb im November sind 60 Bedienstete vorgesehen. Ob die offenen Stellen rechtzeitig besetzt werden können, ist laut Schwarz fraglich. Sie bezweifelt, dass der Bau bis Herbst abgeschlossen und ein reibungsloser Vollbetrieb gewährleistet sein wird.
Das neue Jugendgefängnis ist auf 72 Insassen ausgelegt und sollte die Ostregion entlasten. Schwarz warnt jedoch, dass die Kapazitäten rasch erschöpft sein könnten. Derzeit befinden sich 49 jugendliche Häftlinge in der Jugendabteilung der JA Wien-Josefstadt, die demnächst verlegt werden sollen. "Der Münnichplatz wird also nicht wie geplant die gesamte Ostregion entlasten können", so die Volksanwältin.