Heinz-Christian Strache, einst Hoffnungsträger der österreichischen Rechten und Vizekanzler der Republik, sucht heute verzweifelt nach politischer Relevanz. Nach dem Ibiza-Skandal, dem Bruch mit der FPÖ und krachenden Wahlniederlagen bleibt ihm nur noch die Rolle des Gastgebers für „Patrioten-Konferenzen“, doch der Glanz ist längst verblasst.
Am vergangenen Wochenende inszenierte sich HC Strache erneut als Vorkämpfer für „Frieden, Freiheit und Sicherheit“ und lud zur „Wiener Konferenz der Europäischen Patrioten“. Im noblen Hotel Imperial Riding School versammelte er ein Sammelsurium rechter und rechtspopulistischer Politiker aus ganz Europa – von Filip Dewinter (Vlaams Belang, Belgien) über Thierry Baudet (Forum für Demokratie, Niederlande) bis hin zur AfD-Politikerin Irmhild Boßdorf. Sogar ein US-Republikaner schickte eine Videobotschaft.
Doch das Treffen war mehr Symbol als Substanz. Die Konferenz stand in keinem Zusammenhang mit der neuen Rechtsaußen-Fraktion „Patrioten für Europa“ im EU-Parlament, der Straches ehemalige Partei FPÖ angehört. Vielmehr diente sie als Bühne für altbekannte Narrative: Kritik an der NATO, Warnungen vor Islamismus und die Beschwörung eines angeblichen Meinungsdiktats in Europa. Strache inszenierte sich als Verteidiger der Meinungsfreiheit – und doch wirkte alles wie ein Echo vergangener Zeiten.
Politischer Absturz: Vom Ibiza-Video zum Randphänomen
Der tiefe Fall des Heinz-Christian Strache begann im Mai 2019 mit dem berüchtigten Ibiza-Video. In einer Villa auf der Baleareninsel sprach er offen über mögliche illegale Parteienfinanzierung und die Einflussnahme auf Medien. Die Veröffentlichung des Videos stürzte nicht nur die türkis-blaue Bundesregierung, sondern zerstörte auch Straches politische Karriere. Der damalige Bundeskanzler Sebastian Kurz beendete die Koalition, Neuwahlen wurden ausgerufen, und Strache trat als Vizekanzler zurück.
Was folgte, war ein beispielloser Absturz: Ermittlungen, Parteiausschluss, gescheiterte Comebacks und öffentliche Demütigungen. Strache versuchte sich mit einer eigenen Liste bei der Wien-Wahl, scheiterte jedoch krachend an der Mandatshürde. Auch als Bezirksrat in Floridsdorf blieb ihm nur eine Nebenrolle – von der großen politischen Bühne war er endgültig verbannt.
Warum Strache gescheitert ist
Der Grund für Straches Scheitern ist so simpel wie fatal: Er ist an sich selbst gescheitert. Das Ibiza-Video offenbarte nicht nur einen Hang zur politischen Selbstüberschätzung, sondern auch eine fatale Mischung aus Naivität und Skrupellosigkeit. Strache wollte die Macht – um jeden Preis. Doch statt als „Mann des Volkes“ blieb von ihm nur das Bild eines Politikers, der in seiner eigenen Hybris unterging.
Auch der Versuch, sich nach dem Skandal als Opfer einer Verschwörung und als „letzter Patriot“ zu inszenieren, verfing nicht mehr. Die Öffentlichkeit hatte genug von Skandalen, Selbstmitleid und politischen Comeback-Versuchen. Die FPÖ distanzierte sich, neue Skandale und dubiose Geschäftsbeziehungen folgten. Straches Name steht heute für einen der größten politischen Abstürze der Zweiten Republik.
Das politische Erbe: Ein Schatten seiner selbst
Während Strache nun als Gastgeber kleiner rechter Konferenzen auftritt, bleibt sein Einfluss marginal. Die großen politischen Debatten finden längst ohne ihn statt. Die FPÖ, einst von ihm geprägt, hat sich neu aufgestellt. Strache bleibt nur die Erinnerung an bessere Zeiten – und die bittere Erkenntnis, dass der Weg zurück ins Rampenlicht endgültig versperrt ist.
Heinz-Christian Strache – vom Hoffnungsträger zum Mahnmal des politischen Scheiterns. Ein Comeback? Längst ausgeschlossen. Sein Name steht heute für den Preis, den politische Hybris und Skrupellosigkeit fordern.
Team HC Strache bei der Wien-Wahl 2025
- Das Team HC Strache erreichte bei der Gemeinderatswahl 2025 nur 1,12 Prozent der Stimmen – ein deutlicher Rückgang gegenüber dem ersten Antreten 2020, als noch 3,27 Prozent erzielt wurden.
- Damit scheiterte Strache erneut klar an der Fünf-Prozent-Hürde und verpasste den Einzug in den Wiener Gemeinderat zum zweiten Mal in Folge.
- Auch auf Bezirksebene blieb der Einfluss gering: Einzelne Mandate in Bezirksvertretungen sind möglich, doch für die Stadtpolitik spielt das Team HC weiterhin keine Rolle.